Bewerberauswahl und Psychologie: Bauchgefühl vs. Rationalität

Ach ja, diese ganzen Feiertage, gutes Wetter, Brückentage. Und dann wieder von vorne. So langsam werde ich müde davon :). Die Konzentrations- und Denkbereitschaft lassen nach. Man möchte am liebsten nur noch gammeln. Diesem Zerfallsprozess möchte ich gerne mit einer Portion Wissen entgegenwirken. Und zwar mit einem spannenden und ausführlichen, jedoch leicht verdaulichen, Exkurs in die Entscheidungspsychologie.

Dazu empfehle ich ein ganz aktuelles und schönes Interview mit dem Psychlogen und Nobelpreisträger Daniel Kahneman. In dem Video am Ende des Posts könnt ihr ganz entspannt lernen, wohin unsere angeborene Denkfaulheit führen kann und warum wir oft falsche Entscheidungen treffen.

Zufälligerweise habe ich vor ein paar Tagen sein Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ zu Ende gelesen. Einige der darin enthaltenen Beispiele für falsche Entscheidungen und irrationales Verhalten beziehen sich ausgerechnet auf die Auswahl von Personal.

So ist Kahneman der Meinung, dass unser Bauchgefühl, für viele ein vermeintlich zuverlässiger und jahrelang erprobter Berater, auf keinen Fall herangezogen werden sollte, wenn man sich bzw. dem Unternehmen, für das man neue Mitarbeiter aussucht, etwas Gutes tun möchte.

Stattdessen empfiehlt es sich systematisch vorzugehen. Gesteht man sich selbst gegenüber die Anfälligkeit für Bauchentscheidungen („Die letzte Bewerberin hat weniger Erfahrung, aber ich habe einfach ein besseres Gefühl. Und das betrügt mich selten.“) ein, hätte man gute Chancen, mit einer kurzen Vorbereitung und der Einhaltung eines standardisierten Ablaufs die tatsächliche Performance der Personalentscheidungen zu verbessern.

Rationale Bewerberauswahl – so könnte das Verfahren aussehen:

  1. Man wähle (persönliche) Merkmale/Eigenschaften aus, die zur Ausübung der Stelle befähigen (6 Dimensionen reichen – sie sollten möglichst unabhängig voneinander und durch sachbezogene Fragen prüfbar sein).
  2. Man lege die Fragen fest, mit denen man diese Merkmale prüfen möchte.
  3. Eine Skala von 1-5 soll die Antworten bewerten, wobei man ganz klare Vorstellung haben sollte, was was ist (was genau heißt „5“ oder „sehr gut“?).
  4. Die erreichten Punkte eines Kandidaten werden zusammengezählt.
  5. Der Bewerber mit der höchsten Punktzahl wird genommen.

(Ganz einfach. Kein „Ich hab ein schlechtes Gefühl“, kein „Ich mag sie nicht“, kein „Er passt vom Typ nicht“.)

Laut Kahneman hätte man nur so die Chance, eine bewusste korrekte Entscheidung zu treffen. Alles andere ist Zufall. Und ein zufällig gutes Ergebnis bestärke uns völlig unbegründet in der Annahme, irgendwelche Menschenkenntnisse zu besitzen. Was wiederum unsere zukünftige Fehleranfälligkeit erhöht.

Was denkt ihr dazu? Hand aufs Herz, könntet ihr Euch überzeugen/zwingen, (bei der Beurteilung von Menschen) komplett auf das Bauchgefühl zu verzichten?

Wie Kahneman zu seinen Aussagen kommt, erfahrt ihr im im folgenden Video. Wer das Thema interessant findet, sollte evtl. das Buch lesen.

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