Active Sourcing

Definition: Was ist Active Sourcing?

Beim Active Sourcing wird das klassische Personalmarketing und Recruiting auf den Kopf gestellt. Anstatt auf Bewerbungen durch Stellenanzeigen zu warten, gehen Unternehmen aktiv auf passende Kandidaten zu und sprechen sie direkt an.

Active Sourcing ist nicht neu. Personalberatungen übernehmen die Direktansprache von passiven Kandidaten schon seit Jahrzehnten für Unternehmen. Aber erst durch das Aufkommen und die Etablierung von Business Netzwerken wie XING und LinkedIn haben Recruiter aus Unternehmen einen einfachen, rechtssicheren Weg gefunden, um selbst Kandidaten anzusprechen und für sich zu gewinnen.

Diese Active Sourcing Definition gilt ebenso für die Synonyme Active Recruiting, Sourcing, Direct Search oder Direktansprache, die im Grunde das Gleiche beschreiben.

Warum Active Sourcing: Was sind die Vorteile?

Das klassische Recruiting ist sehr passiv und reaktiv. Nach dem Veröffentlichen einer Stellenanzeige auf der eigenen Karriereseite und auf externen Jobportalen gibt es nur wenige Möglichkeiten, um Bewerbungen auf die offene Stelle zu forcieren. Bei zu wenigen Bewerbungen können zwar weitere Schaltungskanäle dazu gebucht werden, Recruiter sind aber immer darauf angewiesen, dass sich aktive Kandidaten selbst für die Stelle interessieren und bewerben.

Beim Active Sourcing gehen Recruiter oder spezialisierte Active Sourcer auf diversen Plattformen direkt auf die Suche nach passenden Kandidaten und versuchen sie von einer Stelle zu überzeugen. Recruiting wird so zu etwas Aktivem, das man direkt beeinflussen kann und dadurch häufig schneller und genauer wird.

Die passiven Kandidaten, die beim Active Sourcing angesprochen werden, passen genau in das Profil und zur Candidate Persona und fühlen sich häufig wertgeschätzt. Durch das Active Recruiting können Unternehmen so Mitarbeiter gewinnen, die über herkömmliches Personalmarketing nicht zu ihnen gefunden hätten.

Gerade in Mangelprofilen oder sehr speziellen Positionen, für die nur sehr wenige Bewerbungen eintreffen, bietet das Active Sourcing so eine gute Möglichkeit, um Vakanzen schnell und effektiv zu besetzen.

Auch mit Blick auf die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist Active Recruiting sinnvoll. Immer mehr offene Stellen stehen einem immer kleiner werdenden Angebot an Fachkräften gegenüber. Unternehmen müssen deshalb für sich werben und Fachkräften gute Angebote und Rahmenbedingungen bieten, um sich gegen die Konkurrenz am Arbeitsmarkt durchzusetzen. Neben Employer Branding und Personalmarketing bietet Active Sourcing dafür eine Gelegenheit.

Wie funktioniert Active Sourcing?

Der Active Sourcing Prozess ähnelt sich in den meisten Organisationen. Nach einem detaillierten Briefing durch den Hiring Manager startet der Active Sourcer in die Identifikation geeigneter Kandidaten. Vor der Ansprache werden gefundene Profile häufig mit dem Hiring Manager besprochen, um sicherzustellen, dass Erfahrungen und Skills zu den Anforderungen passen. Nach der Ansprache gibt es mindestens einen Reminder, falls der Kandidat nicht auf die erste Nachricht antwortet. Zeigt der Kandidat Interesse an der Position wird entweder vom Active Sourcer oder einem Recruiter ein erstes Interview durchgeführt, bei dem die Stelle, das Unternehmen und das Produkt genauer beschrieben werden. Danach wird der Kandidat häufig in den regulären Auswahlprozess überführt.

Es braucht nicht viel, um mit dem Active Sourcing zu starten. Das Basisprofil auf LinkedIn reicht für die meisten Recruiter völlig aus. Die Ansprache muss persönlich und wertschätzend gestaltet sein – Nachrichten nach dem Prinzip Copy & Paste sind tabu und werden keine Ergebnisse bringen. Bei Kandidaten, die übers Active Recruiting kommen, muss zudem bedacht werden, dass sie keine normalen Bewerber sind. Im ersten Gespräch ist der Kandidat häufig noch nicht vollends überzeugt, sondern braucht vor allem weitere Informationen zum Unternehmen und der Stelle.

Active Sourcing auf XING mit dem TalentManager (Screenshot)

Active Sourcing mit dem TalentManager von XING

Active Sourcing Kanäle und Tools

Die beliebtesten Kanäle für die Direktansprache sind XING und LinkedIn. XING wird im deutschsprachigen Raum von etwa 19 Millionen Usern genutzt. Auf LinkedIn sind im Mai 2021 rund 16 Millionen Menschen angemeldet. Während die Suchfunktion auf XING für kostenlose Profile nur sehr eingeschränkt genutzt werden kann, funktioniert die Boolesche Suche auf LinkedIn auch mit einem Basisprofil sehr gut – insbesondere für Mitglieder, die schon ein großes Kontaktnetzwerk haben.

Profile auf diesen beiden Plattformen lassen sich auch über externe Suchen finden. Die gezielte Suche über Google bietet eine Menge Möglichkeiten, um ohne Premiumprofile auf XING oder LinkedIn passende Kandidaten zu identifizieren. Außerdem gibt es spezielle Active Sourcing Tools, die XING, LinkedIn und andere Plattformen nach passenden Kandidaten durchsuchen.

Für IT-Fachkräfte sind beliebte Plattformen neben XING und LinkedIn auch Stack Overflow und GitHub. Auf Stack Overflow können Nutzer Fragen zum Thema Softwareentwicklung stellen. Die Plattform ist für viele Entwickler die erste Anlaufstelle, wenn beim Coden Probleme auftreten. GitHub ist eine Plattform zur Kollaboration und Versionskontrolle.

Active Sourcer können auf eine Menge Tools zurückgreifen, die bei der effektiven Suche und Ansprache unterstützen können. Dazu gehören neben dem XING Talentmanager und LinkedIn Recruiter auch kostenlose Browser-Erweiterungen, die eine Reihe an Funktionen abdecken. Im Active Sourcing sind zum Beispiel Multi-Highlighter beliebt, die bestimmte Begriffe hervorheben.

Active Sourcing Tool: Mit Highlighty Suchbegriffe schneller finden

Mit Multi-Highlightern Skills schneller in einem Profil entdecken (www.highlighty.app)

Active Sourcing Methoden

Die wichtigste Active Sourcing Methode ist die Boolesche Suche, die auf XING und LinkedIn funktioniert. Die Suche bei Google bietet zudem sehr interessante Möglichkeiten fürs Active Sourcing. Dazu gibt es hier mehr Informationen.

Eine beliebte Methode in der Direktansprache sind Zielfirmenlisten. Beim Start eines neuen Auftrags werden interessante Unternehmen identifiziert, bei denen passende Kandidaten arbeiten könnten. Diese Firmen sind häufig direkte Wettbewerber, kommen aus einer bestimmten Branche oder sind für ihre Unternehmenskultur bekannt. Unternehmen, die auf der Zielfirmenliste stehen, können dann systematisch nach Kandidaten durchforstet werden: Auf der Webseite oder auf Social-Media-Kanälen.

Möglich ist auch, direkt beim Unternehmen anzurufen und nachfragen, wer für einen bestimmten Bereich zuständig ist oder die Person durch LinkedIn bzw. Xing zu recherchieren. Im Research von Personalberatungen ist das eine gängige Methode. Die Anrufe werden häufig verdeckt mit Coverstories durchgeführt, weil es für Personalberatungen ansonsten nahezu unmöglich ist, den richtigen Ansprechpartner zu identifizieren. Verdeckte Anrufe sind allerdings ein rechtlicher Graubereich. Active Sourcer, die inhouse arbeiten, sollten davon die Finger lassen.

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