Arbeitgeberattraktivität

Definition: Was ist Arbeitgeberattraktivität?

Arbeitgeberattraktivität beschreibt die Anziehungskraft eines Unternehmens als Arbeitgeber auf potenzielle Mitarbeiter:innen und bereits bestehende Kolleg:innen.

Doch was macht einen attraktiven Arbeitgeber aus und welche Merkmale treffen auf ihn zu? Für das bessere Verständnis lässt sich eine einfache Gleichung aufstellen:

Arbeitgeberattraktivität = Arbeitgeberqualität + Arbeitgeberimage

Denn vereinfacht gesagt entsteht Arbeitgeberattraktivität aus einem strategisch erfolgreichen Employer Branding, das sich um die Außendarstellung des Unternehmens als Arbeitgeber kümmert und die Arbeitgeberqualität gleichzeitig von innen heraus verbessert.

Ein gutes Image allein reicht hingegen nicht aus und vertreibt bei ausbleibender Qualität auf lange Sicht Arbeitnehmer:innen sowie Bewerber:innen. Um beide Bausteine in Einklang zu bringen, unterscheidet man zwischen interner und externer Arbeitgeberattraktivität.

1. Interne vs. externe Arbeitgeberattraktivität: Wo liegt der Unterschied?

2. Warum Arbeitgeberattraktivität für HR wichtig ist

3. Was sind externe Merkmale einer hohen Arbeitgeberattraktivität?

4. Welche internen Faktoren sind von Bedeutung?

5. Arbeitgeberattraktivität aus der Perspektive unterschiedlicher Mitarbeitergenerationen

6. Ranking: Wer ist der attraktivste Arbeitgeber?

7. Arbeitgeberattraktivität erfolgreich steigern – ein Praxisleitfaden (Blogartikel)

8. Weblinks

Interne vs. externe Arbeitgeberattraktivität: Wo liegt der Unterschied?

Employer Branding Maßnahmen können sowohl nach innen, als auch nach außen gerichtet sein. Eine nach innen gerichtete Steigerung der Arbeitgeberattraktivität hat die Bindung der bestehenden Mitarbeitenden zum Ziel und wird deshalb auch als Mitarbeiterbindung bezeichnet. Maßnahmen der Mitarbeiterbindung können sein:

  • ● Der Aufbau einer Feedbackkultur
  • ● Weiterbildungsangebote
  • ● Offene Unternehmenskommunikation (Flurfunk)
  • ● Betriebliche Sportangebote
  • ● Vermeidung von Überstunden
  • ● uvm.

Externe Maßnahmen hingegen konzentrieren sich auf die Mitarbeitergewinnung. Die Vorteile Deines Unternehmens müssen hierbei auf potenzielle Mitarbeiter:innen zugeschnitten sein und sowohl in Stellenanzeigen als auch in den anschließenden Gesprächen klar kommuniziert werden.

Warum Arbeitgeberattraktivität für HR so wichtig ist

Dass die Attraktivität eines Arbeitgebers maßgeblich für den Erfolg der Mitarbeitersuche verantwortlich ist, steht außer Frage. Das Warum lässt sich in drei Punkten zusammenfassen:

1. Kürzerer Recruitingprozess: Recruiter:innen haben die Aufgabe, möglichst viele qualifizierte Bewerber:innen für das Unternehmen zu gewinnen. Dieser erste Schritt im Recruitingprozess lässt sich vereinfachen, wenn die Attraktivität der Arbeitgebermarke entsprechend hoch ist.

2. Niedrigere Fluktuation im Unternehmen: Wenn sich Mitarbeiter:innen stärker mit Deinem Unternehmen identifizieren, bleiben sie länger im Unternehmen und lassen sich wesentlich schwerer abwerben.

3. Höhere Leistungsbereitschaft: Ein attraktives Arbeitsumfeld und eine mitarbeiterfreundliche Arbeitsgestaltung stellen sicher, dass Deine Mitarbeiter:innen gerne arbeiten und glückliche Arbeitskräfte sind in der Regel auch produktive Arbeitskräfte.

Was sind externe Faktoren einer hohen Arbeitgeberattraktivität?

Was die einen Bewerber:innen anzieht, empfinden andere wiederum als abschreckend. Dennoch gibt es ein paar allgemeingültige Faktoren der Arbeitgeberattraktivität, die jedes Unternehmen beachten sollte.

Hier unser persönliches Ranking der wichtigsten externen Faktoren, die sich aus den Dimensionen der Arbeitgeberattraktivität von Berthon, Ewing und Hah (2005) ableiten lassen:

Merkmal Beschreibung
Interesse I. Das Unternehmen stellt innovative und
hochwertige Produkte und Dienstleistungen her.
II. Moderne, zukunftsorientierte Arbeitspraktiken.
III. Wertschätzung der Mitarbeiter:innen und Nutzung ihrer Kreativität in einer spannenden Arbeitsumgebung.
Soziales I. Arbeitsumfeld, in dem der Spaß nicht zu kurz kommt, hohe Grundzufriedenheit im Unternehmen.
II. Gute Beziehungen zu Kollegen und eine positive Team-Atmosphäre.
Ökonomie I. Überdurchschnittliche Vergütung und Benefits.
II. Jobsicherheit und gute Aufstiegsmöglichkeiten.
III. Ressortübergreifende Erfahrungen.
Entwicklung I. Anerkennung für erbrachte Leistungen, Stärkung des Selbstwertgefühls und des Selbstvertrauens der Mitarbeitenden.
II. Karriereförderliche Erfahrungen, Wertschätzung der Arbeit und Möglichkeit, das Unternehmen als Sprungbrett zu nutzen.
Anwendung I. Möglichkeit, Gelerntes anzuwenden und anderen zu vermitteln.
II. In die Praxis umgesetzte Kundenorientierung.
III. Menschlichkeit; das Unternehmen gibt der Gesellschaft etwas zurück.

Welche internen Faktoren sind von Bedeutung?

Auch die internen Faktoren und Merkmale spielen natürlich eine große Rolle. Hierbei lohnt sich ein Blick in Leverings „A Great Place to Work: What Makes Some Employers So Good“ (2000), dessen Modell als Grundlage für die Great Place to Work®-Mitarbeiterbefragung dient.

Merkmal Beschreibung
Glaubwürdigkeit Die Führungsebene des Unternehmens wird als offen, kompetent und integer wahrgenommen.
Respekt I. Mitarbeiter:innen werden angemessen gefördert und ihre Leistungen anerkannt (z.B. durch Einbindung in wichtige Entscheidungsprozesse)
II. Das Unternehmen zeigt sich fürsorglich und berücksichtigt das Wohlbefinden seiner Angestellten sowie mögliche Auswirkungen der Arbeit auf das Privatleben.
Fairness I. Angestellte werden gerecht behandelt; keine Bevorzugung. 
II. Diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld.
Stolz Mitarbeiter:innen sind stolz auf ihre Tätigkeit, die Arbeit ihres Teams und die Leistungen des Unternehmens.
Teamgeist I. Große Vertrautheit zwischen den Mitarbeiter:innen und eine freundliche Arbeitsatmosphäre.
II. Hohes Maß an Giftwork Economy und das Gefühl an einem Strang zu ziehen.

Welche Faktoren mindern die Arbeitgeberattraktivität?

Natürlich gibt es auch Faktoren, die dafür sorgen können, dass Deine Attraktivität als Arbeitgeber in den Keller fällt. Damit Dir das nicht passiert, hier eine Liste an typischen Fehlern, die Dir den Aufbau einer hohen Arbeitgeberattraktivität versauen:

    • Hoher Anteil an trägen, resignierte Teammitgliedern
    • Laissez Faire-Führung, die Unsicherheit ausstrahlt
    • Gefühl der Isolation (speziell im Hinblick auf Home-Office)
    • Unkontrolliertes Wachstum (Stichwort Beschleunigungsfalle)

Arbeitgeberattraktivität aus der Perspektive unterschiedlicher Mitarbeitergenerationen

X, Y und Z sind nicht nur die letzten Buchstaben im Alphabet, sie bezeichnen auch die drei Generationen, die den Größten Teil des derzeitigen Arbeitsmarktes ausmachen. Obwohl die jüngeren Generationen Y und Z oftmals als diejenigen gesehen werden, die den Arbeitsmarkt auf den Kopf stellen, so sind es laut Umfrage dieses Mal vor allem die Angestellten der Generation X (geboren zwischen 1965 und 1980), die am sensibelsten auf mangelnde Arbeitgeberattraktivität reagieren und schneller kündigen, wenn ihnen der Arbeitgeber nicht passt. Gleichzeitig wirkt sich eine hohe Attraktivität allerdings positiv auf die Gesundheit und die Zufriedenheit mit der Arbeitsstelle aus – ein Trend, der sich generationsübergreifend beobachten lässt.

Arbeitgeberattraktivität verschiedener Generationen

©TOP JOB Studie 2021

Nach der Generation X zeigt sich die Generation Z wenig tolerant gegenüber unattraktiven Arbeitgebern. 26 Prozent der Befragten Zoomer gaben an, sich bei einem unattraktiven Arbeitgeber stärker erschöpft zu fühlen. 34 Prozent von ihnen würden auch eine Kündigung bei einem unattraktiven Arbeitgeber eher in Betracht ziehen. Auch Generation Y lässt sich von einem weniger attraktiven Arbeitgeber abschrecken, wenn auch weniger stark als ihre Kolleg:innen.

Zur besseren Übersicht findest Du im nächsten Abschnitt eine kurze Übersicht, welche Faktoren für die verschiedenen Generationen am wichtigsten sind.

Was macht einen Arbeitgeber für die Generation X attraktiv?

Motto: „Arbeiten, um zu leben“

Geboren zwischen den frühen 1960ern und 1980, sieht die Generation X im Gegensatz zu ihrer Vorgängergeneration (sog. „Baby Boomers“) Arbeit nicht mehr als Mittelpunkt ihres Lebens an. Was nicht bedeutet, dass die Gen X gerne auf der faulen Haut liegt – im Gegenteil! Sie hat den Fleiß ihrer Elterngeneration geerbt und verfolgt ambitioniert ihre Ziele. Sie legt dabei jedoch mehr Wert auf eine Work-Life-Balance. Entsprechend solltest Du Gen X Mitarbeiter:innen einerseits die Möglichkeit geben, die Karriereleiter hinaufzuklettern und ihnen andererseits ermöglichen, Familien zu gründen, um die sie sich im Anschluss kümmern können, ohne dabei ihre Arbeit zu gefährden.

Zu berücksichtigende Merkmale:

1. Hohe Ambitionen
2. Selbstständige Arbeitsweise
3. Work-Life-Balance

Arbeitgeberattraktivität aus Sicht der Generation Y

Motto: „Erst leben, dann arbeiten (und dabei alles hinterfragen)“

Nichts vergrault eine:n Arbeitnehmer:in der Gen Y schneller als Sätze wie „Das haben wir schon immer so gemacht!“. Denn eines ist klar: Dienst nach Vorschrift wird es mit dieser Generation im Team nicht geben. Ein großer Teil der Generation Y hat eine gute Bildung genossen und kein Interesse an starren Arbeitsweisen. Das Streben nach Sinn und Abwechslung ist bei dieser Generation ebenso ausgeprägt wie die Affinität zum Internet und den Medien. Schließlich handelt es sich hierbei um die erste Generation, die mit dem Internet groß geworden ist („Digital Natives“) und einen viel natürlicheren Umgang damit pflegt, als die Generationen vor ihnen.

Aufgrund ihres Strebens nach Sinn, arbeiten Millenials am besten, wenn sie in Projekten mit klarem Ziel eingebunden werden. Da sie sich auch in der Freizeit gerne mit eigenen Projekten beschäftigen, kommt es zunehmend zu einem Work-Life-Blend, bei denen Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen. Der Gen Y macht es selten etwas aus, ihre Freizeit für die Fertigstellung eines Projektes zu opfern, wenn sie im Gegenzug die Möglichkeit bekommen, private Angelegenheiten während der Arbeitszeit zu regeln.

Zu berücksichtigende Merkmale:

1. Wunsch nach Flexibilität & Freiheit
2. Möglichkeit zur Selbstverwirklichung
3. Mitbestimmungsrecht

Attraktive Arbeitgeber für die Generation Z

Motto: „Klare Trennung zwischen Arbeit und Leben“

Wer sich heute schon als Arbeitgeber von Morgen präsentieren möchte, sollte die Generation Z (sogenannte „Zoomer“) im Blick behalten. Heutige Jugendliche werden in den nächsten Jahren in den Arbeitsmarkt strömen und ihn gehörig auf den Kopf stellen.

Auch sie sind mit Smartphone und Co. aufgewachsen und möchten darauf auch im Arbeitsleben nicht mehr verzichten. Was sie von der Gen Y unterscheidet, ist ihr Wunsch, Privatleben und Arbeit wieder mehr zu trennen, sofern sie sich für einen festen Job entscheiden. Flexibilität spielt auch bei dieser Generation eine große Rolle. Arbeitnehmer:innen müssen hier allerdings damit rechnen, dass der Arbeitslaptop nach Feierabend zugeklappt wird und Gen Z Mitarbeiter:innen erst am nächsten Tag wieder erreichbar sind. Gen Z weiß nämlich, dass sie niemals den Reichtum ihrer Elterngeneration (Generation X) erreichen werden und legen ihre Prioritäten eher auf Freizeit und Familie.

Da die meisten Zoomer noch nicht am Arbeitsmarkt angekommen sind, gibt es noch keine eindeutigen Merkmale, die diese Generation von der Gen Y abgrenzen.

Ranking: Wer ist der attraktivste Arbeitgeber?

Werfen wir zu guter Letzt einen Blick auf Unternehmen, die mit ihrem Maßnahmenkatalog erfolgreich sind. Die folgenden multinational tätigen Arbeitgeber haben 2021 eine Auszeichnung des Instituts Great Place to Work® erhalten und dienen somit als hervorragende Beispiele wie eine hohe Arbeitgeberattraktivität in der Praxis aussieht.

Platz 1: DHL Express

Auf der Karriereseite der Deutschen Post AG stellt das Unternehmen seine riesige Auswahl an Maßnahmen zur Schau, die das Unternehmen zum besten Arbeitgeber Europas machen. Ein paar Beispiele gefällig?

Bei der konzernweiten Certified-Initiative bildet das Unternehmen Mitarbeiter:innen zu Spezialisten in ihrem jeweiligen Unternehmensbereich aus.

Im Start-up Lab können Angestellte eigene Geschäftsideen einbringen und neue Projekte ins Leben rufen. Aus diesem Lab entstand 2018 das Projekt TRAiLAR, bei dem das Unternehmen eine dünne Solarzellen-Folie auf den Dächern von Aufliegern installierte, um langfristig die CO2-Emissionen der Fahrzeuge zu senken.

Während der Appreciation Week dreht sich eine Woche lang alles um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Post AG. Mit einer bunten Mischung an Veranstaltungen gibt das Unternehmen ihren Angestellten etwas zurück und feiert das Engagement derjenigen, die den Erfolg des Konzerns tragen.

Platz 2: AbbVie

An zweiter Stelle und damit nicht weniger herausragend steht das BioPharma-Unternehmen AbbVie. Als Arbeitgeber hat sich das Unternehmen die Förderung von Vielfalt auf die Fahne geschrieben und wurde dank seiner Bemühungen 2021 von Statista und der Financial Times als Leader in Diversity ausgezeichnet. Darüber hinaus stellt das Unternehmen auf seiner Karriereseite seine offene Unternehmenskultur sowie exzellente Weiterentwicklungsmöglichkeiten in den Vordergrund.

Platz 3: Cisco

Wer auf der Suche nach einem modernen Arbeitsplatz ist, dürfte sich sich bei dem Marktführer in den Bereichen IT und Netzwerk wohl fühlen. Das Unternehmen setzt auf ein innovatives Arbeitsumfeld und flexible Arbeitspraktiken. So können Mitarbeitende beispielsweise kurzfristig bis zu 100 Prozent ihres Jobs mit Kolleg:innen tauschen, um ihren Horizont zu erweitern und neue Skills zu lernen. Einen besonders großen Wert legt Cisco auf die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Angestellten und bietet z.B. frischgebackenen Eltern besondere Unterstützungsmöglichkeiten.

➥ Wenn Du wissen willst, wie Du Deine Arbeitgeberattraktivität steigern kannst, dann geht es ab hier weiter zum Blogartikel.

Weblinks:
StepStone: Attraktivitätsfaktoren richtig kommunizieren
Absolventa: XYZ – Generationen in der Übersicht

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