Indeed-Experiment: von der Jobsuchmaschine zur hässlichen Jobbörse?

Da ist etwas faul im Staate Dänemark Indeed.

Seit dem fulminanten Markteintritt vor ein paar Jahren, konnte sich Indeed zu einem echten Platzhirsch in Deutschland etablieren. Gestützt durch die prall gefüllte Kasse der japanischen Mutter Recruit Holdings Ltd. hat Indeed keine Kosten und Mühen gescheut, dem Marktführer Stepstone und anderen Jobbörsen Aufmerksamkeit, Reichweite und Marktanteile abzujagen. Durchaus mit Erfolg.

Was macht(e) Indeed gut?

Dabei positionierte sich Indeed (zunächst) als eine frische Alternative zu den verstaubten Jobbörsen. Indeed war eine sogenannte Jobsuchmaschine, die größte der Welt. Diese Jobsuchmaschine konnte drei besondere Dinge, die normale Jobbörsen nicht konnten.

a) Sie konnte die Stellenangebote eines Unternehmens relativ einfach automatisch einlesen.

b) Das Rangieren in den Suchergebnissen konnte im Rahmen von Premium-Kampagnen auf Cost-per-Click Basis beeinflusst werden. Kosten entstanden dem Kunden nur, wenn auf seine Anzeige tatsächlich geklickt wurde.

c) Beim Klick auf den Teaser der Stellenanzeige in den Suchergebnissen wurde dann direkt auf die Karriere-Webseite des Kunden umgeleitet, wo sich der Bewerber sinnvollerweise nicht nur mit dem Job sondern auch gleich mit der Employer Brand auseinander setzen konnte.

Im Großen und Ganzen hat Indeed den im Marketing bewährten Ansatz von Google AdWords Werbung für den Jobmarkt adaptiert und im großen Stil verfügbar gemacht. Das machte sie zu einer sehr spannenden Alternative zu Größen, wie Stepstone. Sie haben alles richtig gemacht. Bis jetzt.

Das Usability-Experiment

Indeed ist nun groß in Deutschland. In der Welt sowieso. Und wenn Unternehmen sehr groß werden, fangen sie manchmal an zu glauben, dass sie unfehlbar sind. Der Erfolg gibt einem ja schließlich Recht. Vor ein paar Monaten hat Indeed heimlich angefangen, an den oben erwähnten Grundpfeilern ihres bisherigen Erfolgs zu schrauben. Im Rahmen eines großangelegten weltweiten Usability-Experiments wird eine entscheidende Änderung getestet.

Beim Klick auf einen Job-Teaser in den Suchergebnissen soll der Jobsuchende nicht mehr direkt auf die Karriere-Webseite des ausschreibenden Unternehmens weitergeleitet werden, sondern zunächst auf der Indeed Plattform verbleiben. Statt der Weiterleitung wird zunächst eine Volltext Anzeige eingeblendet und erst beim zweiten Klick des interessierten Bewerbers auf einen dafür vorgesehen Button innerhalb der Vorschau wird dann auf die Karriere-Webseite umgeleitet.

Den Ablauf kennen die meisten von Euch bereits von Stepstone. Auch dort wird die vollständige Anzeige zunächst auf Stepstone angezeigt, bevor dann der Klick auf „Bewerben“ auf die Seite des Kunden bzw. in seinen Bewerbungsprozess führt.

Die möglichen Gründe

Warum übernimmt Indeed nun dieses Verfahren? Hier kann man lange spekulieren. Zum Einen behält es den Jobsuchenden länger auf der Plattform. Er schaut sich ggf. mehrere Jobs an, bevor er dann nur bei echtem Interesse die Indeed Seite verlässt, um sich beim Unternehmen zu bewerben. Ein Jobsuchender „produziert“ so wahrscheinlicher mehr Klicks, als wenn er jedes mal zu Indeed zurück kehren müsste, um eine erneute Suche vorzunehmen.

Gleichgültig, ob Ihr mit Indeed direkt nach Cost-per-Click oder über Variationen von Capped Budget Anzeigen abrechnet, könnte das Implikationen für Euch haben. Denn sollte Indeed den Aufruf der Vorschau innerhalb der eigenen Plattform zum „gleichwertigen Klick“ erklären, kommt es bei beiden Abrechnungsmodellen zu einer versteckten Preiserhöhung.

Ein weiterer theoretischer Grund könnte die Vergleichbarkeit der Performance sein. Da Unternehmen (weltweit) nun im Personalmarketing zunehmend auf Web-Analytics setzen, sehen sich „Bewerber-Lieferanten“ auch zunehmend in Erklärungsnot, wenn Zahlen unterschiedlicher Plattformen und Modelle unter Zuhilfenahme von Analytics-Halbwissen miteinander verglichen werden. „Stepstone hat ja eine Bewerber-Conversion-Rate von 30% und Indeed nur 4,79%, da liegen doch Welten zwischen.“, hat bestimmt schon mal der eine oder andere von Euch von sich gegeben, ohne sich die Mühe einer vernünftigen ROI-Rechnung pro Bewerbung zu machen.

Und so könnte es sein, dass es es für ein Unternehmen wie Indeed einfacher erscheint, an der Conversion-Rate zu drehen, als Euch zu erklären, warum sie trotz oberflächlich betrachtet schlechterer Conversion nicht schlechter sind als Stepstone. Ein Nutzer, der sich bereits bewerben möchte und erst dann von der Plattform zu Euch auf die Karriere-Webseite wechselt, wird natürlich eine bessere Conversion erzielen, als ein Nutzer, der Eure Anzeige in voller Länge zum ersten Mal bei Euch auf der Seite sieht.

Die Umsetzung

So viel zur Theorie. Noch spannender ist die praktische Umsetzung. Im Gegensatz zu Stepstone verfügt Indeed nicht über die Original-Anzeigen der Kunden inklusive der CI, Layout, Formatierung usw. Die Anzeigen werden von Indeed, wie bereits erwähnt, in den aller meisten Fällen ausgelesen. Ausgelesen wird nur Text und mit viel Glück auch die Formatierung. Corporate Indentity ist im Rahmen der Indeed Plattform (technisch) nicht vorgesehen. Die Vorschau einer solchen Anzeige wird zu einem reinen Glücksspiel. In manchen Fällen schaffen es die Crawler und Algorithmen von Indeed eine Anzeige einigermaßen vernünftig zu formatieren. In sehr vielen anderen Fällen sind die Anzeigen leider kaum lesbar und wirken eher unseriös.

 

Dabei ist es völlig belanglos, ob Ihr Agentur, Partner, Premium-Kunde oder ein Unwissender seid, dessen Anzeigen von Indeed unaufgefordert erfasst wurden. Es ist keine Sache individueller Einstellungen. Bei Indeed entscheidet ein Algorithmus über die Darstellung. Da könnt Ihr lange diskutieren mit wem auch immer bei Indeed.

Indeed ist ja in den USA beheimatet. Der ästhetische Anspruch an die Darstellung von Stellenanzeigen ist dort einfach ein anderer. Einige von Euch haben sicherlich noch den ruhmreichen Glassdoor-Markteintritt vor Augen. Gefahr für die Candidate Experience Deutscher Unternehmen – titelte damals der Persoblogger Stefan Scheller. Indeed scheint nun den gleichen Fehler zu machen und den deutschen Markt mit amerikanischen Maßstäben anzugehen. Und diese sehen so aus, wenn man sich mal die englische Seite von Indeed zu Gemüte führt.

Aus unserer Sicht ist dieses Vorgehen, zumindest für den deutschen Markt, ein absolutes NoGo. Und auch wenn wir uns die noch besser aussehenden Varianten der neuen Indeed-Anzeigenvorschau herauspicken, so finde ich sie in Sachen CI und Employer Branding nach wie vor eher hinderlich als dienlich. Es fehlen jegliche Optionen, aus dem grauen Einheitsbrei herauszustechen.

Ohne die direkte Weiterleitung auf die Karriere-Webseite des Unternehmens, ohne direkten Kontakt zur Employer Brand wird Indeed aus unserer Sicht von einer vergleichbaren bis besseren Alternative zu Stepstone zu einer schlechteren. Schade.

Was tun?

Wenn Euch die Darstellung Eurer Anzeigen nicht egal ist, solltet Ihr als Partner oder direkte Kunden von Indeed als Erstes prüfen, in welchem Ausmaß Eure Anzeigen betroffen sind. Der Usability-Test wurde noch nicht flächendeckend ausgefahren. Die Zahl der Nutzer, die die Änderung wahrnehmen steigt allerdings, aber es sind noch nicht alle. Um Eure Anzeigen in „neuem Indeed-Gewand“ zu sehen, öffnet bitte ein Inkognito-Fenster in Eurem Browser und durchsucht darin Indeed nach Euren Stellen. Hier ein Video dazu mit ein paar Beispielen.

Falls Ihr direkter Kunde von Indeed seid, meldet Euch bei Eurem Ansprechpartner und teilt Eure Meinung mit. Falls Ihr über einen Partner mit Indeed arbeitet, informiert Euch bei ihm, ob er diesbezüglich bereits in Kontakt mit Indeed steht. Viel mehr kann man ad-hoc nicht machen, außer sich von Indeed zurückzuziehen.

Wie gesagt, Indeed ist ein amerikanischer Konzern, der zu einer japanischen Holding gehört. Punktuell Einfluss zu nehmen, ist praktisch nicht möglich. Wir können höchstens hoffen, dass bei genügend Gegenwind von der Kundenseite für den deutschen Markt eine Ausnahmeregelung getroffen wird.

Unternehmerisch verstehen wir durchaus, dass bei gewissen Entscheidungen die Interessen der Kunden nicht wirklich berücksichtigt werden müssen. Bei Unternehmen mit erheblicher Marktmacht und Medienpräsenz macht der Ton in solchen Fällen dann doch etwas mehr aus. Es handelt sich hier nicht um einen einfachen Usability-Test, sondern um eine grundlegende Änderung des Produkts, die ohne vorherige Kommunikation heimlich ausgespielt wird.

Ich kaufe Weiterleitungen auf meine hübsche Seite und bekomme plötzlich hässliche und unvollständige Anzeigen bei Indeed. Kommuniziert wird nichts, weder an Partner noch an Kunden. Per reinen Zufall ist uns dieses Vorgehen aufgefallen und hinterlässt ein gewisses „Geschmäckle“. Überlegt Euch gut, von wem Ihr Euch in einem schwierigen Markt abhängig macht.

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Update 08.02.2018 15:39: Indeed hat offenbar auf das öffentliche Feedback reagiert. Das Experiment scheint für Nutzer mit einer deutschen IP-Adresse, zumindest vorübergehend, abgeschaltet worden zu sein. Die oben unter „Was tun“ beschriebene Reproduktion in einem Browser Inkognito-Fenster führt (in Deutschland) aktuell zu keinem Ergebnis. Beim Klick auf die Anzeige wird, wie gewohnt, eine Weiterleitung ausgelöst. Für die Nutzer mit einer ausländischen IP-Adresse gibt es dagegen keine Änderungen. Ruft man die deutsche Seite von Indeed aus einem anderen Land auf, oder simuliert das über eine Proxy-Umleitung (bzw. VPN-Verbindung), lassen sich die im Artikel diskutierten Ergebnisse erneut reproduzieren. Satt der Weiterleitung gibt es die formlose Vorschau. Hier ein Video. Es bleibt also abzuwarten, ob es hier tatsächlich zu einer Planänderung für den Fall Deutschland kommt.

Update 09.02.2018 09:23: Unser letztes Update war offensichtlich etwas voreilig bzw. unvollständig. Denn sowohl in der Mobilansicht der Indeed-Website als auch in der Mobile App werden die Jobs weiterhin im Volltext angezeigt. Angesicht eines Anteils von 62,83 Prozent mobilen Traffics auf Indeed.de (laut Similar Web Pro, Stand heute) bleibt das Problem also voll bestehen. Und so sieht es aus (Die ersten zwei Screenshots zeigen die Mobilansicht, das dritte die App. An den blauen Buttons erkennt Ihr, das es sich nicht um händisch eingegebene Volltext-Anzeigen handelt.):

Falls Ihr also von Kollegen oder Euren Kundenbetreuern schon Entwarnung bekommen haben solltet, dem ist nicht so! Wir bleiben dran. Und das solltet Ihr im Sinne Eures Employer Brandings auch tun.

Disclaimer

Wir, die Wollmilchsau GmbH bzw. die Lösung Jobspreader, sind langjähriger Agentur-Partner von Indeed. Wir promoten Stellenanzeigen unserer Kunden im Rahmen von Premium-Kampagnen automatisiert neben vielen anderen Jobsuchmaschinen auch auf der Indeed-Plattform.  Unsere Sorgen und Bedenken bezüglich der beschriebenen Situation haben wir Indeed bereits ausführlich dargelegt. Wir arbeiten mit Hochdruck an einer technischen Lösung, um die Anzeigen unserer Kunden unabhängig von dem Ausgangsmaterial durchgehend zumindest lesbar zu machen. Eine Unterstützung von Indeed gibt es bis jetzt nicht. Die Veröffentlichung unserer Erkenntnisse erscheint uns in unserer Funktion als HR-Medium als gerechtfertigt. Details aus unserer direkten Kommunikation mit Indeed fanden hier keine Erwähnung. Indeed wurde über die bevorstehende Veröffentlichung informiert.





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