Online-Jobbörse / Online-Stellenbörse

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Was ist eine Online-Jobbörse?

Eine Online-Jobbörse, auch Stellenbörse genannt, ist eine Webseite, auf der Unternehmen offene Stellen ausschreiben. Diese Webseite wird von aktiv Stellensuchenden nach passenden Stellenangeboten durchsucht. Findet der Jobsuchende das passende Angebot, kann er sich bei dem ausschreibenden Unternehmen bewerben.

Geschichte der Online-Jobbörsen

Die erste Online-Jobbörse war wohl die Seite “Online Career Center”, die im Jahr 1993 in den USA online ging. Auf der Webseite konnten Recruiter ihre offenen Positionen und die Jobsuchenden ihre persönlichen Profile veröffentlichen.

Der Zusammenschluss mit der Webseite „The Monster Board“ im Jahr 1997 führte zur Entstehung der weltweit bekannten Jobbörse und Marke “Monster.com”. In den späten neunziger Jahren nahm die Entwicklung des Online-Arbeitsmarktes schließlich Fahrt auf und weitere nationale und internationale Schwergewichte entstanden.

Im Zuge der schnellen Verbreitung des Internets haben sich die Jobbörsen in den letzten 20 Jahren als wichtigstes Personalmarketing- und Recruiting-Instrument etabliert und lösten damit innerhalb relativ kurzer Zeit die Print-Stellenmärkte in Zeitungen ab.

Seit einigen Jahren sehen sich die Jobbörsen allerdings mit einem schnellen Wandel auf dem Arbeitsmarkt sowie mit vielfältigem Wettbewerb konfrontiert. Den neuen Umständen werden die Stellenbörsen nicht mehr ohne Probleme gerecht. Das schnelle Wachstum kann nicht mehr aufrecht erhalten werden und die Beliebtheit der Jobbörse als Recruiting-Instrument zeigt erste deutliche Anzeichen eines Rückgangs.

Funktionsweise der Stellenbörsen

Die (technische) Funktionsweise der Stellenbörsen hat sich seit ihrer Entstehung nicht wesentlich verändert. Die Jobbörsen verwenden in der Regel einen Suchalgorithmus (Suchmaschine), der die vom Jobsuchenden eingegebenen Suchbegriffe mit den in der Datenbank abgespeicherten Stellenangeboten abgleicht. So gelangt der Jobsuchende schnellstmöglich zu den eventuell passenden Stellenangeboten. Die Qualität der Suchalgorithmen unterscheidet sich dabei von Anbieter zu Anbieter nur unwesentlich.

Die Gestaltung der Stellenangebote in den Jobbörsen ist überwiegend standardisiert und an die aus den Print-Stellenmärkten übernommene Form angelehnt. Ein Stellenangebot besteht demnach aus einem Titel, einer ausführlichen Beschreibung der Aufgaben und Anforderungen sowie Angaben zum Unternehmen. Manche Jobbörsen ermöglichen zusätzlich die Verwendung grafischer Elemente, um die Ausschreibung an die Corporate Identity des Unternehmens anzupassen.

Findet ein Stellensuchender die passende Stelle, kann er abhängig von der Funktionalität der konkreten Stellenbörse eine Bewerbung per Bewerbungsformular absenden oder sich per E-Mail an das Unternehmen wenden. Nur in den seltensten Fällen wird der Bewerber auf die Karriereseite des Unternehmens weitergeleitet, um dort den Bewerbungsprozess fortzusetzen.

Die Jobbörsen sind so gesehen ein “isolierter” Kanal. Die fehlende Integration mit der Employer Brand des ausschreibenden Unternehmens, die in vollem Maße nur direkt auf der unternehmenseigenen Karriereseite erlebt werden kann, stellt die entscheidende Schwäche der Jobbörsen dar. Denn das Interesse eines potenziellen Bewerbers an einem Stellenangebot wird in dem heutigen Marktumfeld erheblich durch die Wahrnehmung der Employer Brand beeinflusst.

Geschäftsmodell der Jobbörsen

Das klassische Geschäftsmodell einer Jobbörse basiert auf der Abrechnung eines festen Betrages pro Ausschreibung. Die Ausschreibung hat dabei eine feste Laufzeit wie z. B. 30 oder 60 Tage. Ein ausschreibendes Unternehmen bezahlt für die Veröffentlichung der Stellenanzeige und dafür, dass die Anzeige z. B. 30 Tage über die Suchmaschine der Stellenbörse auffindbar ist, einen festen Betrag X an die Online-Jobbörse.

Nach dem Ablauf der Laufzeit wird die Anzeige abgeschaltet. Dabei ist es für die Abrechnung unerheblich, ob ein bestimmtes Ergebnis erreicht wurde. Die Stellenbörse verpflichtet sich nicht, eine bestimmte Zahl von Aufrufen oder Bewerbungen zu liefern. Es ist ebenfalls unerheblich, ob die Stelle vor Ablauf der Laufzeit besetzt werden konnte. Auch wenn die Stelle bereits nach 1 von 30 Tagen besetzt wird, ist der volle Preis für die Laufzeit von 30 Tagen fällig.

Die Anzeigenpreise sind sehr unterschiedlich und können sich je nach Online-Jobbörse zwischen wenigen Euro und mehreren hundert Euro bewegen. In manchen Fällen kann eine Anzeige sogar über tausend Euro kosten. Große Unternehmen mit vielen offenen Vakanzen haben in der Regel die Möglichkeit, zum Teil deutliche Vergünstigungen beim Anzeigenpreis zu erzielen. Dazu müssen jedoch größere Anzeigen-Kontingente im Voraus gebucht werden.

Ergänzend zu dem Kern des Geschäftsmodells erbringen manche Stellenbörsen zusätzliche Leistungen wie z. B. Gestaltung, Hervorhebung, Prüfung oder Optimierung der Anzeigen. Solche Leistungen werden extra berechnet.

Das Geschäftsmodell der Jobbörsen wird aufgrund der fehlenden Flexibilität, fehlender Planbarkeit bezüglich des Rücklaufs sowie einer Verschlechterung der Ergebnisse zunehmend kritisiert.

Abgrenzung der Stellenbörsen

Die Abgrenzung der Stellenbörsen erfolgt nach dem Grad ihrer Spezialisierung. Im deutschsprachigen Raum gibt es eine relativ kleine Zahl von großen Generalisten-Jobbörsen und eine sehr große Zahl von kleinen Jobbörsen, die sich auf eine oder wenige Nischen spezialisieren. Die Spezialisierung kann sich dabei an einer bestimmten Zielgruppe (z. B. Personaldienstleister, Mittelstand, Gastro, Region) oder an einer bestimmten Berufsgruppe (z. B. IT, Service, Sales) orientieren.

Die relative Größe einer Online-Jobbörse kann man anhand der ausgeschriebenen Stellenangebote bewerten. Die mit Abstand grösste Jobbörse in Deutschland ist die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit. Die Zahl der ausgeschriebenen Stellen erreichte im November 2016 knapp 1.5 Mio. Die größten kommerziellen Stellenbörsen verfügen hingegen über einen Bestand von um die 100.000 Stellen. Der Bestand von kleinen spezialisierten Jobbörsen kann sich zwischen wenigen tausend und unter hundert bewegen.

Für die qualitative Abgrenzung der Stellenbörsen sollte die Bewerber-Reichweite pro Stellenangebot herangezogen werden. Hier gibt es zwischen den Marktteilnehmern auf jeder Ebene zum Teil gravierende Unterschiede, die den ausschreibenden Unternehmen aufgrund der Intransparenz der Anbieter im Bezug auf die Nutzungs-Statistiken meist nicht bewusst sind.

Marktsituation für Jobbörsen

Man kann sagen, dass es in Deutschland in den letzten Jahren einen starken Trend hin zur Spezialisierung gibt. Es entstehen immer wieder kleinere spezialisierte Jobbörsen, die versuchen, neue Nischen oder noch nicht ausreichend gut bediente Nischen zu besetzen. Diese Entwicklung hat zu einer Übersättigung des Marktes geführt. Das Portal „Crosswater Job Guide“ zählt in Deutschland per November 2016 1796 Jobbörsen. Viele davon sind allerdings nicht wirklich aktiv oder völlig unbedeutend im Hinblick auf ihren Nutzen.

Die Zahl der großen Generalisten-Jobbörsen bleibt dagegen seit Jahren stabil. Den Markt in Deutschland teilen sich fast ausnahmslos große Anbieter, die schon viele Jahre am Markt sind.

Der zunehmende Rückgang der Nachfrage auf Bewerberseite sowie grundlegende Veränderungen des Marktumfeldes stellen das Geschäftsmodell der Stellenbörsen infrage. Die Marktführer haben sich sehr lange auf dem lukrativen Geschäftsmodell und hohen Margen ausgeruht und sich kaum um Innovation bemüht. Es fällt den Jobbörsen nun immer schwerer, ein akzeptables Ergebnis bei einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis zu erbringen.

Es ist realistisch, dass sich der Markt für Jobbörsen in den kommenden Jahren gezwungenermaßen wesentlich stärker wandeln wird, als das in den letzten 10 Jahren der Fall war.

Alternativen zu den Jobbörsen

Als Alternativen zu den Jobbörsen bieten sich zunehmend Jobsuchmaschinen, große soziale Netzwerke sowie Anzeigen in Suchmaschinen (z. B. Google AdWords) an. Diese Kanäle erlauben eine Veröffentlichung von Stellenanzeigen, bei der nicht nach festen Laufzeiten, sondern abhängig vom Rücklauf abgerechnet wird (Cost-per-Click).

Es gibt weiterhin moderne Personalmarketing-Lösungen wie zum Beispiel den Jobspreader, die sich vollautomatisch um die Verbreitung der Stellenanzeigen von der Karriereseite des Kunden aus sowie die Auswahl der passenden Kanäle kümmern. Die Abrechnung erfolgt auch hier nicht pro Anzeige mit einer festen Laufzeit, sondern abhängig von dem generierten Rücklauf auf die Stellenanzeigen. Die potenziellen Bewerber werden dabei stets auf die Karriereseite des Unternehmens geleitet. Dadurch wird der rechtzeitige und umfassende Kontakt zur Employer Brand des Unternehmens gewährleistet.

Weblinks

Bloomberg: Company Overview of Online Career Center
Wikipedia: Employment website
Crosswater Job Guide: Jobbörsen-Übersicht
Heise, 2016: Stellenbörse: Randstad übernimmt US-Rivalen Monster für 387 Millionen Euro