Gute Jobtitel – schlechte Jobtitel

Eine gute Stellenanzeige steht und fällt mit einem guten Jobtitel. Nicht nur weil die Verständlichkeit des Titels und sein Bezug zum Inhalt die Entscheidung des potentiellen Bewerbers erheblich beeinflussen. So z. B. nachzulesen in der MetaHR Studie Candidate Journey 2017. Sondern in erster Linie weil ein guter Jobtitel  darüber entscheidet, ob die Ausschreibung überhaupt erst gefunden wird.

Das scheint vielen von Euch nicht klar zu sein. Nur so kann ich mir die weit verbreitete Unsitte erklären, Eure unterdrückten Talente als Poeten, Wortakrobaten und Kryptographen gerade bei der Formulierung Eurer Jobtitel auszuleben.  Manche Eurer Ergüsse taugen zwar zum Kunstwerk, haben jedoch nicht den Hauch einer Chance, von normalen Menschen jemals gefunden zu werden.

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Denn Menschen, die nach einem Job suchen, suchen in erster Linie nach einem Job und nicht nach einem Kunstobjekt.

Wenn Ihr nach einem „Auto“ sucht, sucht Ihr doch nicht nach einem „Flinken Flitzer“. Wenn Ihr nach einer „Wohnung in Hamburg“ sucht, sucht Ihr doch nicht nach einer „Zum Wohnen geeigneten Stahlbeton-Konstruktion mitten in einer freien Hansestadt“.

Warum glaubt Ihr dann, dass jemand, der eigentlich nach einem „Entwickler“-Job sucht, in Wirklichkeit ein „Ninja“ ist? Oder dass jemand, der gerne als „Rezeptionist“ arbeiten möchte, in Wirklichkeit nach einem Job als „Nachteule mit Organisationstalent“ Ausschau hält?

Seltsame Metaphern sind nur die Spitze des Eisbergs. Sie sind einfach auszumachen und zu korrigieren. Gefährlicher sind Jobtitel, die eigentlich gut klingen und dennoch totaler Schrott sind. Es ist durchaus möglich, mit auf den ersten Blick völlig logisch klingenden Begriffen einen Jobtitel bis zur völligen Unauffindbarkeit zu verschlüsseln. Umständliche Aufgaben-/Funktionsbeschreibungen im Titel sind da nur ein Beispiel.

Ich denke, das Problem muss nicht weiter erläutert werden. Es gibt sehr viele schlechte und sehr schlechte Jobtitel da draußen. Die führen zwangsläufig dazu, dass die dazugehörigen Stellen zu lange unbesetzt bleiben. Also müsst Ihr unbedingt vermeiden, dass schlechte Jobtitel zum Einsatz kommen. Wie machen wir das?

Gute Jobtitel formulieren

Eine Patent-Rezept für alle Fälle gibt es natürlich nicht. Ich versuche dennoch eine einfache Methode zu skizzieren, die Euch helfen wird, unnötige Fehler zu vermeiden.

1. Länge

Ein guter Jobtitel sollte nicht länger als 70 Zeichen (inkl. Leerzeichen) sein. Da ein Jobtitel in den meisten Fällen automatisch zum Seitentitel wird und anschließend im Google-Index landet, sollten die Vorgaben von Google berücksichtigt werden. Die Einschränkung der Länge sollte Euch für die Relevanz des Inhalts sensibilisieren. Ihr habt wenig Platz, also muss ganz genau überlegt werden, was dahin kommt. (Link: Zeichenzähler).

2. Struktur

Stellt Euch nun vor, dass Ihr mindestens zwei und maximal sechs Wörter verwenden dürft, um den vorhanden Platz auszufüllen. Die ersten zwei Plätze bilden das Fundament Eures Jobtitels und sollten Begriffe enthalten, nach denen die Mehrheit der potentiell passenden Interessenten voraussichtlich suchen würde. Sucht Ihr nach einem „Frontend Entwickler“, sollten genau diese beiden Begriffe dort auftauchen und nicht etwa „Frontend Ninja“, „Ninja Nachteule“, „Mitarbeiter für“ usw. Das ist der wichtigste Teil des Titels. Der muss sitzen.

Versetzt Euch hier in den potentiellen Bewerber. Was ist er von Beruf? Wie war seine letzte offizielle Jobbezeichnung? Wie nennt er sich selbst? Und was gibt er wahrscheinlich ein, wenn er nach einem neuen Job sucht?

Erst wenn Euer Fundament steht, können bei Bedarf die restlichen vier Positionen mit ergänzenden Begriffen besetzt werden. Allerdings nur wenn weitere Details/Einschränkungen für den Suchenden tatsächlich hilfreich sind: „Frontend Entwickler HTML Javascript PHP Hamburg“. Vermeidet alles, was nicht relevant und höchstwahrscheinlich nicht gesucht wird.

Eigentlich sollten jetzt noch ein paar Zeichen übrig bleiben. Verwendet sie zunächst für das obligatorische „m/w“ (bitte immer an aller letzter Stelle und nicht mitten im Titel platzieren). Und wenn es unbedingt sein muss, setzt abschließend die Füllwörter (in, für, mit) und Satzeichen ein:  „Frontend Entwickler HTML, Javascript, PHP in Hamburg (m/w)“ (=> 61 Zeichen). Der bisher disziplinierte Ästhet darf jetzt erst noch ein „gesucht“ oder Ähnliches einbauen.

3. Relevanz der Begriffe

Unter Punkt 2. sollten Begriffe bzw. Kombinationen gewählt werden, die am wahrscheinlichsten gesucht werden. Woher weiß man so etwas? Vielfach würde es schon helfen, wenn wir Begriffe vermeiden, die kaum jemand verwendet und nach denen kaum jemand sucht.

Popularität testen

Betrachten wir ein Beispiel. Für Eure Fundament-Kombination könnt Ihr Euch einfach nicht zwischen „Frontend Ninja“ und „Frontend Entwickler“ entscheiden. Welche Kombination ist populärer? Der erste Weg, den ich einschlagen würde, ist der schnelle Google-Test. Ich lasse Google nach dem Jobtitel entsprechenden Titeln suchen (Befehl: allintitle:).

Es steht 313 vs. 14.900. Ich würde hier mit dem populären Begriff arbeiten. Es kann natürlich sein, dass Ihr nur echte Ninjas wollt, die gegen den Strom schwimmen. Ist ok. Aber dann macht Ihr das sehenden Auges. Und darum geht’s mir hier.

Bedenkt bei diesem Schnelltest stets, wie verbreitet oder selten die Berufsgruppe ist, um die es sich in Eurem Fall handelt. Bei weit verbreiteten Berufsgruppen sollten schon einige Tausend Ergebnisse bei Google auftauchen, um für Eure Begriffe als Bestätigung gelten zu können. Bei sehr seltenen Berufsgruppen können schon wenige Hundert ausreichen. Da seid Ihr gefragt. Ihr müsst ja in etwa wissen, wen Ihr da sucht. Grundsätzlich sind Vergleiche mehrere unterschiedlicher Varianten gut. So bekommt Ihr ein Gefühl dafür, was evtl. gut funktionieren könnte.

Suchvolumen schätzen

Die Popularität eines Begriffs ist eine Sache, doch inwieweit stimmt sie mit dem tatsächlichen Suchverhalten überein. Wie oft wird nach einem bestimmten Begriff oder einer Kombination gesucht? Dazu gibt es keine 100% zuverlässigen Zahlen. Allerdings sind recht gute Schätzungen möglich. Ich verwende dafür den Google Keyword Planer (Man braucht dafür ein aktives Google AdWords Konto) und/oder Google Trends.

Google Keyword Planer

Der Google Keyword Planer ist (nach der Anmeldung bei AdWords) über diesen Link oder über die interne Navigation erreichbar.

Uns interessiert die Option „Daten zum Suchvolumen und Trends abrufen“.

Das Ergebnis sieht dann so aus.

Der „Ninja“ schneidet, wie schon beim Test der Popularität, deutlich schlechter als der „Entwickler“ ab. Ich habe zum Spaß noch den „Programmierer“ eingebaut. Hättet Ihr gedacht, dass der „Programmierer“ so viel schlechter als „Entwickler“ abschneidet? Ich nicht. Ich hätte die beiden Kombinationen nach meinem Bauchgefühl als fast gleichwertig eingestuft. „Frontend Programmierer“ als Fundament meines Jobtitels wäre allerdings nicht sonderlich erfolgreich. Soviel zum Bauchgefühl.

Google Trends

Einen ähnlichen Test kann man (ohne irgendwelche Konten und Anmeldungen) bei Google Trends durchführen. Seite aufrufen, Suchbegriffe durch Kommata getrennt in das Suchfeld eingeben. Danach die Region richtig einstellen. Fertig.

„Frontend Entwickler“ gewinnt auch hier. Die anderen beiden Kombinationen landen beide bei Null. Google Trends ist vor allem für die Schätzung relativer Suchvolumina im Zeitverlauf  gedacht. Für seltene Begriffe wird es stets ein Ergebnis von Null geben. Der Einsatz des Tools lohnt sich eher bei Vergleichen mehrerer vermeintlich populärer Begriffe (z. B. „Frontend Entwickler“ vs „Frontend Programmierer“). Damit lassen sich grobe Irrtümer schnell erkennen. Ich rate jedoch eindringlich zum Einsatz des Google Keyword Planers.

Google Suggest Tool

Wenn Ihr mal bei der Suche nach guten Begriffen für Eure Jobtitel ganz auf dem Schlauch steht, spielt ein wenig mit dem Google Suggest. Google weiß, was häufig gesucht wird und schlägt dem Suchenden relevante Erweiterungen seiner Sucheingabe vor. So kommt man manchmal auf gute Ideen.

 

Weitere nützliche Links

Für Eure Recherchen empfehle ich noch das Berufenet der Bundesagentur für Arbeit.  Bei t3n gibt es eine gute Übersicht von Keyword Tools, die Euch vielleicht auch helfen könnten.

Bitte beachtet, dass der Google Keyword Planer nur für aktive AdWords Accounts präzise Angaben zum Suchvolumen liefert. Wer gar kein Geld ausgibt, erhält offenbar Ergebnisse wie „1K-10K“.  Habe ich selbst gerade erst erfahren. Das ist nicht wirklich toll. Wer es ernst meint und nicht unbeding AdWords schalten möchte, sollte folglich ein alternatives (ggf. kostenpflichtiges) Profi-Tool in Betracht ziehen. Ich persönlich neige da zu keywordtool.io. Für 68$/Monat habt Ihr alles, was man für eine vernünftige Keyword-Recherche benötigt. Das Tool ist auch noch handlich und schnell. Es lohnt sich, finde ich, wenn man bedenkt, wie viel Schaden schlechte Jobtitel anrichten.

Bestehende Titel prüfen

Falls Euch der Ehrgeiz gepackt hat und Ihr Eure bereits vorhandenen Titel unter die Lupe nehmen wollt, müssen diese zunächst fachgerecht zerlegt werden. Die unter Punkt 3. aufgezeigten Checks funktionieren nicht sonderlich gut mit langen Titeln voll mit unnützen Infos. Um die Relevanz Eurer bestehenden Titel prüfen zu können, müsst Ihr die für die Suchsysteme (vermutlich) relevanten Kombinationen isolieren und diese dann separat prüfen. Hier ein Beispiel für die fleißigen unter Euch.

Ich hoffe, dieser Post wird dem einen oder anderen von Euch helfen, bessere und erfolgreichere Jobtitel zu formulieren und dadurch auch die Stellen schneller zu besetzen.

Sicherlich wisst Ihr schon, dass unsere Jobspreader-Kunden nicht nur von garantierter Bewerber-Reichweite, sondern auch von unserer Rundum-Beratung, auch zum Thema gute Stellenanzeigen, profitieren. Falls nicht, lasst Euch gerne das Produkt von unserem tollen Team im Rahmen einer aufschlussreichen Online-Demo erklären.

Ansonsten freue ich mich über Kommentare und weitere Ideen zum Thema gute Jobtitel.





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4 KOMMENTARE

  1. Wie üblich ein guter Post! Aber warum soll das „m/w“ unbedingt an’s Ende des Titels? Ich finde das gehört hinter den Part, der eben männlich oder weiblich ist. Das ist im Beispiel der Entwickler (m/w) und nicht das Web, das Frontend, PHP oder Hamburg. Aber vielleicht bin ich da auch zu sehr Sprachpurist und zu wenig SEO…

    1. Hi Claus. Danke!

      Nach meiner Auffassung sind Variation von „(m/w)“ eine aus der Sicht des Suchenden (und aus der Sicht eines Suchalgorithmus) eine irrelevante Zeichenkette, die relevante Begriffe unnötigerweise separiert.

      Bsp:

      „PHP Entwickler (m/w) Hamburg“ ist gleichwertig mit „PHP Entwickler 12345 Hamburg“. Warum sollten man das tun? Wenn unnützes Zeug schon in den Titel soll, dann am besten ans Ende.

      Also, besser „PHP Entwickler Hamburg 12345“ => „PHP Entwickler Hamburg (m/w)“

      Zumal, wenn der Titel doch mal zu lang geraten sollte , wird bei Google eben das Ende abgeschnitten.

      Also, besser „PHP Entwickler Hamburg ….“ statt „PHP Entwickler (m/w) H….“

      Stilistische Überlegungen sind hierbei aus meiner Sicht zweitrangig. Wir wollen gefunden werden und nicht schön sein. :)

      Viele Grüße

  2. @Alexander
    Danke für den Artikel. mMn zeigt der Keyword Planer seit einiger Zeit nicht mehr diese genauen Angaben an, sondern „100-1000“ etc. Würde mich interessieren wie du das nach wie vor angezeigt bekommst. Danke :)

    1. Hallo Martin,

      danke, ein sehr guter Hinweis. Es ist wohl tatsächlich so, dass Google detaillierte Zahlen nur für aktive Accounts zur Verfügung stellt. Sprich, man muss bei ihnen Geld ausgeben. Das war mir neu. Leider ist nicht klar, welches Budget mindestens notwendig ist.

      Ich werde den Post gleich entsprechend anpassen. Leider muss man dann wohl doch etwas Geld in die Hand nehmen.

      In der Linkliste im Post gibt es einige Keyword-Tool Alternativen. Semrush ist ganz nett. In der kostenlosen Version gibt es sogar ein paar kostenlose Abfragen pro Tag. Bei sehr schwachen Begriffen (Frontend Ninja) spuckt das Tool allerdings nichts aus. Keywordtool.io scheint mir persönlich ein sehr gute Option zu sein. Kostenpunkt 68$/Monat. Es lohnt sich aber, meiner Meinung nach.

      https://www.screencast.com/t/QeBKZ6nNTfD

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