Reverse Recruiting

Definition: Was ist Reverse Recruiting?

Jobsuche mal andersherum: Beim Reverse Recruiting bewerben sich Arbeitgeber bei Arbeitnehmer:innen. Wie Reverse Recruiting funktioniert, wie es sich vom Active Sourcing unterscheidet und welche Herausforderungen dabei auf dich warten, erfährst du in diesem Glossarartikel.

Reverse Recruiting als Recruiting Strategie

Unterschiede zum Active Sourcing

Reverse Recruiting vs Active Sourcing: Wann entscheide ich mich wofür?

Plattformen gibt es?

          INSTAFFO

          4SCOTTY

          HONEYPOT

Die 3 größten Fehler im Reverse Recruiting

Unser Fazit

Doch klären wir zuerst, was Reverse Recruiting eigentlich genau ist:

Reverse Recruiting – die etwas andere Recruiting-Strategie

Wie bereits oben erwähnt, bewirbt sich beim Reverse Recruiting das Unternehmen bei potenziellen Kandidat:innen. Im Vergleich zum traditionellen Recruiting-Prozess liegt es ganz beim Unternehmen, die Bewerber:innen von sich zu überzeugen und das interessanteste Jobangebot vorzulegen. Reverse Recruiting läuft vor allem über Plattformen wie Instaffo, Honeypot oder 4Scotty, auf denen Bewerber:innen ein Profil mit ihrem Werdegang, ihren Fähigkeiten und ihren Anforderungen an Job und Arbeitgeber anlegen können. Unternehmen können diese Profile anschließend durchsuchen und geeignete Kandidat:innen kontaktieren.

Doch auch außerhalb dieser Plattformen lässt sich Reverse Recruiting realisieren. Nämlich indem Arbeitssuchende in Zukunft selbst Anforderungsprofile erstellen und Stellenanzeigen schalten. Wie eine solche Anzeige aussehen könnte und wie erfolgreich dieser Ansatz ist, erklärt Michael Egger im Interview mit der Personalwirtschaft, in dem er von seinem Selbstversuch berichtet.

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Reverse Recruiting als Gegenpol zum passiven Recruiting

Wer sich länger als 5 Minuten im HR-Universum bewegt, wird schon einmal über den Begriff „Post & Pray“ gestolpert sein. Diese Phrase beschreibt den Prozess im passiven Recruiting, bei dem Unternehmen eine Stellenanzeige veröffentlichen („post“) und dann darauf hoffen („pray“), dass sich geeignete Bewerber:innen melden. Die Initiative liegt hierbei weitestgehend bei den suchenden Kandidat:innen, während die Unternehmen eher abwartend agieren.

Reverse Recruiting kann als Gegenstück zur passiven Personalbeschaffung gesehen werden, da hier ein aktives Engagement der Unternehmen erforderlich ist.

Reverse Recruiting: Jobinterview

 

Vorsicht Verwechslungsgefahr: Reverse Recruiting als Dienstleistung

Ein Reverse Recruiter unterstützt einen Arbeitssuchenden bei der Stellensuche, bei der Bewerbung auf Stellen und bei der Vereinbarung von Vorstellungsgesprächen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Personalvermittler:innen, die für Unternehmen tätig sind, um Stellen zu besetzen, arbeiten Reverse Recruiter direkt für Arbeitsuchende, um ihnen Vorstellungsgespräche zu vermitteln. Sie werden direkt von den Arbeitsuchenden bezahlt und haben daher nur das Beste für diese im Sinn. Diese Definition hat nichts mit Reverse Recruiting zu tun, wie es in diesem Artikel beschrieben wird.

Was ist der Unterschied zum Active Sourcing?

Ähnlich wie beim Active Sourcing geht der Arbeitgeber den ersten Schritt auf potenzielle Kandidat:innen zu. Der wesentliche Unterschied besteht jedoch darin, dass beim Active Sourcing nach wie vor der übliche Bewerbungsprozess durchlaufen wird, bei dem das Unternehmen die Entscheidung trifft. Beim Reverse Recruiting hingegen stellt sich das Unternehmen als Bewerber vor und überlässt den Kandidat:innen die Entscheidung. Entscheidend ist auch, dass beim Reverse Recruiting Talente aktiv auf der Suche nach neuen Jobmöglichkeiten sind.

Reverse Recruiting vs. Active Sourcing: Wann entscheide ich mich wofür?

Active Sourcing ist dann sinnvoll, wenn das Unternehmen gezielt nach Kandidat:innen mit speziellen Fähigkeiten oder Erfahrungen sucht, die nur schwer über eine Stellenanzeige in den üblichen Jobportalen zu erreichen sind. Ein Beispiel hierfür wäre ein Unternehmen, das eine neue Technologie entwickelt und Spezialist:innen mit spezifischen Kenntnissen sucht.

Reverse Recruiting ist hingegen eine gute Strategie, wenn das Unternehmen auf der Suche nach Top-Talenten ist, die neuen Jobmöglichkeiten gegenüber offen sind. Zum Beispiel könnte ein Start-up-Unternehmen über Reverse Recruiting versuchen, erfahrene Entwickler:innen von ihrer Idee zu überzeugen, die bereits in etablierten Unternehmen arbeiten und Lust auf frischen Wind haben.

Es kann sich aber auch lohnen, beide Strategien parallel zu verfolgen. Auf diese Weise spricht das Unternehmen ein breites Spektrum an Kandidat:innen an und erreicht Talente in verschiedenen Karrierephasen.

Insgesamt ist es wichtig, eine Strategie zu wählen, die zum Unternehmen und zur zu besetzenden Position passt. Es gibt keinen „One-size-fits-all“-Ansatz in der Talentakquise und es ist wichtig, deine Zielgruppe zu kennen, um geeignete Maßnahmen zu wählen.

Welche Plattformen für Reverse Recruiting gibt es?

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Plattformen und Portalen, die damit werben, Reverse Recruiting anzubieten. Die bekanntesten Plattformen stellen wir an dieser Stelle vor:

Instaffo

Instaffo ist eine Plattform für Reverse Recruiting, auf der Unternehmen die Möglichkeit haben, gezielt nach passenden Kandidat:innen zu suchen und diese direkt anzusprechen. Die Plattform verfügt über eine Datenbank, die nach eigenen Angaben mehr als 20.000 registrierte Talente umfasst. KI-basierte Prozesse sollen dabei helfen, den Unternehmen proaktiv passende Fachkräfte vorzuschlagen. Für Kandidat:innen ist die Nutzung der Plattform kostenlos, Unternehmen zahlen eine Grundgebühr. Bei erfolgreicher Vermittlung wird zusätzlich eine Vermittlungsgebühr fällig.

Instaffo richtet sich insbesondere an Fachkräfte und Unternehmen aus den Bereichen Tech, Sales und Marketing und hat sich zum Ziel gesetzt, Unternehmen mit offenen Stellen Zeit und Kosten zu sparen. Um den Bewerbungsprozess persönlicher und effizienter zu gestalten, wirbt die Plattform zudem mit der Möglichkeit, sich via Chatnachrichten mit möglichen Kandidat:innen auszutauschen. Mit ihrem Konzept wollen sie schon bald die Nummer 1 im Reverse Recruiting werden. Wir verfolgen gespannt, ob ihnen das gelingt!

4Scotty

Auf der Jobplattform 4Scotty (WeAreDevelopers) haben sich seit 2014 rund 50.000 Softwareentwickler:innen und IT-Expert:innen registriert – etwa 70 Prozent davon sind in Deutschland ansässig. Ziel der Plattform ist es, Talente aus der IT-Branche mit attraktiven Arbeitgebern zusammenzubringen. Die Talente registrieren sich kostenlos auf der Plattform und erstellen ein Profil, in dem sie ihre Wünsche und Vorstellungen für den nächsten Job angeben können. 4Scotty bietet den Talenten daraufhin ausschließlich passende Jobangebote mit transparenten Informationen zu Anforderungen, Aufgaben und Gehalt. Die Talente können dann frei entscheiden, mit welchen Unternehmen sie in Kontakt treten möchten.

Unternehmen können die Plattform für die Suche nach neuen Mitarbeiter:innen nutzen, indem sie ein Unternehmensprofil anlegen und offene Stellen mit den Pflichtangaben veröffentlichen. Sobald ein Talent zum Unternehmen passt, kann es zu einem Kennenlerngespräch eingeladen werden. Der gesamte Rekrutierungsprozess wird bis zum Abschluss eines Arbeitsvertrages von 4Scotty moderiert. Erst nach Abschluss des Vermittlungsprozesses zahlt der Arbeitgeber eine Gebühr in Höhe eines festen Prozentsatzes des Bruttojahresgehalts des neuen Mitarbeiters.

Honeypot

Honeypot ist eine Jobplattform für den IT-Sektor, auf der sich Unternehmen um Fachkräfte bewerben können, indem sie bei der Kontaktaufnahme Informationen wie Gehaltsvorstellungen und inhaltliche Anforderungen angeben. Entwickler:innen werden vor der Freischaltung ihres Profils einer fachlichen Prüfung unterzogen und können ihre Präferenzen in Bezug auf Programmiersprachen, Gehaltsvorstellungen und Arbeitsort angeben. Mit mehr als 100.000 registrierten Talenten und über 1.500 Unternehmen plant Honeypot den Ausbau des D-A-CH-Geschäfts und weiterer internationaler Märkte.

2019 hat die Jobsuchmaschine XING Honeypot übernommen. Damit will XING Unternehmen in der hart umkämpften IT-Branche bei der Suche nach geeigneten Talenten unterstützen. In den kommenden Jahren plant Honeypot, seine Präsenz in Deutschland weiter auszubauen und gleichzeitig seine internationale Community zu vergrößern. Mit XING als Partner könnten künftig alle attraktiven IT-Arbeitgeber aus dem deutschsprachigen Raum und die bisher über 100.000 bei Honeypot registrierten IT-Spezialist:innen zusammengebracht werden.

Die 3 größten Fehler im Reverse Recruiting

  1. Du kennst deine Zielgruppe nicht: Es ist wichtig, die Zielgruppe genau zu kennen, um die Kandidat:innen erfolgreich von sich zu überzeugen. Unternehmen sollten ihre Zielgruppe genau definieren und ihre Bedürfnisse und Anforderungen berücksichtigen, um gezielte Ansprachen zu erstellen.
  2. Deine Anschreiben sind austauschbar: Leider verschicken immer noch zu viele Unternehmen lieblose Standard-Nachrichten an Kandidat:innen. Mit einer Standardphrase und einem Link zur Stellenanzeige soll am Ende dann doch der oder die Kandidat:in aktiv werden – Das hat nichts mit einer Arbeitgeberbewerbung zu tun. Wie auch im Active Sourcing ist eine individuelle und sympathische Anschreiben das A und O im Reverse Recruiting.
  3. Du reagierst zu langsam auf Nachrichten: Du denkst, du bist bereits schnell? Denk nochmal nach. Um das Interesse von Kandidat:innen nicht versacken zu lassen, sind wenige Tage möglicherweise schon zu lang für eine Antwort. Insbesondere weil Reverse-Recruiting-Plattformen wie Honeypot die Möglichkeit bieten, mit Kandidat:innen per Chat direkt in Kontakt zu treten, kannst du dir eine verzögerte Reaktion oftmals nicht leisten.

Fazit: Reverse Recruiting als Mindset – es geht auch ohne Plattform

Reverse Recruiting kann eine effektive Strategie sein, um den Recruiting-Prozess auf den Kopf zu stellen und Top-Talente auf unkonventionelle Weise vom eigenen Unternehmen zu überzeugen. Plattformen wie Instaffo, Honeypot oder 4Scotty vermarkten sich als strategische Partner auf dem Weg zu den Wunschkandidat:innen und können hierbei Unterstützung bieten.

Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass auch ohne den Einsatz dieser Plattformen ein Umdenken von passivem Recruiting hin zu aktivem Recruiting stattfinden kann – oder bei der aktuellen Arbeitsmarktlage sogar muss. Wer seine Anforderungen herunterschraubt, seinen Bewerbungsprozess vereinfacht, Active Sourcing betreibt und seine Stellen attraktiver beschreibt, geht bereits einen Schritt in Richtung Reverse Recruiting, ohne dass dafür zusätzliche Investitionen in Drittanbieter anfallen.

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Weiterführende Links:

Interview mit 4Scotty Mitgründer – deutsche-startups.de
So dreht Instaffo den klassischen Bewerberprozess um – deutsche-startups.de
Xing schluckt Honeypot – deutsche-startups.de
Active Sourcing Anschreiben: 7 echte Beispiele – Wollmilchsau
Die 4 besten Recruiting Apps – Wollmilchsau

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