An der Zielgruppe vorbei: Die neue Azubi-Kampagne der Telekom

Die Telekom beginnt zum Jahresende mit einer neuen Recruiting-Kampagne. Unter dem Motto „Wissen verändert alles“ sollen in erster Linie Auszubildende angesprochen werden. Ein eigener YouTube-„Viral“-Channel verweist auf eine Microsite, mit der die Wunschkandidaten virtuell durch das Telekom-Hauptquartier gehen und Aufgaben à la „Rechne doch mal die Mehrwertsteuer von Nettobetrag x aus“ oder „Mit welchem Stecker schließt man einen Beamer an?“ lösen dürfen.

Die Kampagne ist mit großem Aufwand gemacht und mit viel Blick fürs Detail umgesetzt – nur schrecklich veraltet und völlig an der Zielgruppe vorbei! Um wen soll es gehen? Ausbildungen beginnen mit etwa 16 Jahren. Sagen wir, ein umsichtiger Schüler beginnt bereits im Alter von 14 Jahren mit der Ausbildungsplatzsuche. Hat er darauf – wie er sagen würde – Bock??

Empfangstätigkeit

Diese Mitarbeiterin ist ganz traurig, weil ihr Computer nicht funktioniert und sie ohne ihn keine Prozentrechnung kann.

Ich glaube kaum. Mehrwertsteuer ausrechnen, ein Plakat holen, einen Beamer anschließen sind allenfalls zeitraubende Aufgaben und keine Herausforderungen. Und schon gar nicht für Jugendliche in diesem Alter! Dass man sich virtuell durch ein Gebäude klicken kann ist auch nicht neu. Zudem ist das ganze unterbrochen von langen Ladezeiten und die Bedienung nicht sonderlich gelungen.

So klickt sich der Besucher von Raum zu Raum, von Stockwerk zu Stockwerk und wartet nach den jedem Klick geduldig bis alle Animationen und Bedienelemente geladen sind, damit es weiter gehen kann. Um dann herauszufinden, welche Optionen und Wege in einem Raum zu Verfügung stehen, muss man mit der Maus den Bildschirm abfahren und darauf achten ob sich der Mauszeiger verändert. Eine reine Geduldsprobe, kein Wunder, dass die basicthinking-Redaktion „keine Zeit“ hatte, die Seite zu testen. ;)

Inhaltlich dürfte die Kampagne keinen Jugendlichen hinter dem Ofen hervor locken. Technisch schon gar nicht. Man schaue sich nur mal an, was im November 2010 an Computerspielen auf den Markt kommt. Natürlich kann das kein Maßstab für interaktive Recruiting-Sites sein, aber die eigene Idee muss trotzdem dagegen bestehen können. So zum Beispiel das Assessment-Game der Kanzlei Houthoff Buruma. Simples Prinzip, Teilnehmer die sich vernetzen müssen, eine echte Herausforderung – das kann auch gegen heutige Medienangebote standhalten. Ein YouTube-Video mit „Huch-Effekt“ und eine Multimedia-Präsentation im Stile der 90er Jahre nicht.





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8 KOMMENTARE

  1. Ihr sprecht mir aus der Seele, danke!:) Die Telekom steht da nicht alleine da, das Problem was hier zu Tage tritt betrifft gefühlt 98% aller deutschen Ausbildungsbetriebe. Irgendwie hat man so recht den Trend noch nicht erkannt, erst recht nicht was es bedeutet wirklich einen Dialog mit der Zielgruppe zu führen. Am liebsten sind mir aber immer noch die Betriebe, die Print Anzeigen schalten „weil diese von den Eltern gelesen werden“ und das zu ihrer zentralen Strategie machen. Wen das interessiert: http://blog.azubister.net/ein-offener-brief-an-ausbildungsbetriebe-uber-print-anzeigen-die-lieben-eltern-und-budgets-im-ausbildungsmarketing/

  2. Wissen verändert alles. Über virales (Ausbildungs-)Marketing und ein neues Recruitainmentkonzept « personalmarketing2null – personalmarketing | employer branding |social media – kritisch hinterfragt

    […] überlasse ich ihm mal das fachliche Feld und verweise den geneigten Leser auf seinen Artikel. Die Aktion wird derzeit sehr stark in der Bloggerszene diskutiert, was zu einem nicht unerheblichen Teil daran liegen mag, dass viele ihre schlechten Erfahrungen mit […]

  3. Ich sehe das genauso. Mir wurde nach den ersten Minuten das Spiel schon zu langweilig, die Ladezeiten sind viel zu lang und es sieht alles total veraltet aus.
    Thema verfehlt kann man da nur sagen!

  4. Social Media Jahresrückblick 2010 aus HR-Sicht – Teil2 von Juli bis Dezember - Human Resource-Blog

    […] Praxisfall recht gemischt sind von eher anerkennend, bis zum Urteil darüber, dass die Maßnahme an der Zielgruppe vorbei gehen […]

  5. exklusives interview mit thomas sattelberger, personalvorstand deutsche telekom | saatkorn.

    […] alles“ wurde in den fachblogs ausführlich besprochen, zum beispiel bei jo diercks, wollmilchsau und dem […]

  6. Zur "Viralität" der Telekom Recruiting-Kampagne | Wollmilchsau - Das Personalberater Blog

    […] von der Telekom Recruiting-Kampagne “Wissen verändert alles” nicht gerade begeistert: “An der Zielgruppe vorbei” titelten wir im November 2010. Zur Erinnerung: Man klickt sich durch das Telekom-Gebäude und löst Aufgaben. Die Kampagne ist […]

  7. Wissen verändert alles. Über virales (Ausbildungs-)Marketing und ein neues Recruitainmentkonzept – personalmarketing, employer branding, social media kritisch hinterfragt - personalmarketing2null

    […] überlasse ich ihm mal das fachliche Feld und verweise den geneigten Leser auf seinen Artikel. Die Aktion wird derzeit sehr stark in der Bloggerszene diskutiert, was zu einem nicht unerheblichen Teil daran liegen mag, dass viele ihre schlechten Erfahrungen mit […]

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