Demografischer Wandel und Standortattraktivität in Deutschland

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Angeregt durch ein Gespräch über Standortattraktivität als Wettbewerbsfaktor im Arbeitgebermarketing habe ich mir die Frage gestellt, wie Unternehmen im Kontext des demografischen Wandels strategischen Handlungsbedarf erkennen und konkret angehen können. Dabei kam mir die frisch aktualisierte Bevölkerungsvorausberechnung des „Wegweiser-Kommune“-Projekts gerade recht, in der die Bertelsmann Stiftung den demographischen Wandel bis 2030 für alle deutschen Kommunen mit mehr als 5000 Einwohnern analysiert hat.

Wie Ihr den demografischen Wandel Eurer Region analysiert

Im Folgenden zeige ich, wie Ihr die Folgen des demografischen Wandels für Eure Region und Euer Unternehmen analysiert. Da die Untersuchung die Stadt-Land-Lücke erneut bestätigt hat und der demografische Wandel Arbeitgeber abseits der Städte erfahrungsgemäß besonders hart trifft, nehme ich dabei zwei Landkreise als Beispiel. Dazu habe ich mir den Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern und den Ortenaukreis in Baden-Württemberg herausgesucht. Beide Regionen können (wie viele andere) mit geografischen Vorzügen werben, wirtschaftlich dürfte die Ortenau im Vorteil sein.

Um zu sehen, wie der demografische Wandel an Eurem Standort ausfällt, gebt Ihr auf wegweiser-kommune.de Euren Landkreis oder Eure Stadt ein und wählt die gewünschte Statistik. Zur Wahl stehen Kommunale Daten, Bevölkerungsprognose, Wanderungsprofile, Demografietypen, Bevölkerungspyramide und Altersstrukturanalyse. Persönlich finde ich die Altersstrukturanalyse für die Beurteilung des Fachkräftesicherungsbedarfs am hilfreichsten und empfehle Euch die Analyse damit zu starten.

Für Ludwigslust-Parchim zeigt sie schon auf den ersten Blick mehr als deutlich, welche immensen Herausforderungen Recruiter in Mecklenburg-Vorpommern in den nächsten 15 Jahren (und darüber hinaus) stemmen müssen, um an Fachkräfte zu gelangen (und sie zu halten). Bis 2030 schrumpfen alle arbeitsmarktrelevanten Altersgruppen zwischen 19 und 65 Jahren zwischen 25 und 30 Prozent:

Altersstruktur-Ludwigslust-Parchim

Im Ortenaukreis sieht die Lage insgesamt etwas entspannter aus, allerdings schrumpft auch hier die Altersgruppe der 19-24jährigen um über 20 Prozent.

Altersstruktur-Ortenaukreis

Um zu sehen, ob der Trend schon eingesetzt hat und die Handlungsdringlichkeit einzuschätzen, empfehle ich Euch anschließend einen Blick auf die Wanderungsbewegung Eurer Region zu werfen. Für ein vollständiges Bild achtet darauf, dass Ihr dabei beide Geschlechter auswählt. Dabei seht Ihr in absoluten Zahlen für jeden einzelnen Altersjahrgang den Wanderungssaldo. Die Zahlen sind Mittelwerte der Jahre 2009-2012.

Auch wenn die Zahlen absolut vielleicht weniger bedrohlich erscheinen, zeichnet sich hier für Ludwigslust-Parchim kein gutes Bild:

Wanderungsprofile aus Parchim von Frauen und Männer

Der mecklenburgische Landkreis hat von 2009 bis 2012 über 1000 potenzielle Jung-Arbeitnehmer verloren. Der Vergleich zum Wanderungsprofil der Ortenau, die lediglich Verluste bei den 19-24jährigen verzeichnet hat, lässt zusammen mit den beiden Altersstruktur-Statistiken vermuten, dass es dem Ortenaukreis besser gelingt, den vermutlich ausbildungsbegründeten Abgang junger Menschen im Zeitverlauf auszugleichen.

Wanderungsprofile aus Ortenaukreis von Frauen und Männer

Wie Ihr die Standortattraktivität Eurer Region bewertet

Dankbarerweise seid Ihr bei der Bewertung Eurer Standortattraktivität im Vergleich zu anderen Regionen nicht auf statistische Kaffesatzleserei angewiesen, wie ich sie gerade von mir gegeben habe. Dazu nutzt Ihr den Zukunftsatlas 2013 des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos, der alle 402 Kreise und kreisfreien Städte Deutschlands im Standort-Wettbewerbt rankt. In Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt ist daraus eine tolle interaktive App entstanden, in der sich einzelne Kreise und Städte miteinander vergleichen lassen.

Standortattraktivität von Ortenaukreis und Parchim

Glücklicherweise stützt das Ergebnis meine Kaffeesatzleserei, denn der Zukunftsatlas 2013 rankt den Ortenaukreis im Standortwettbewerb auf Platz 131 von 402, den Kreis Ludwigslust-Parchim dagegen leider nur auf Platz 379.

Und jetzt freue ich mich auf Euren Input! Wie steht Euer Standort im innerdeutschen Wettbewerb da? Wie geht Ihr im Recruiting mit Standortnachteilen um? Hilft der Aufbau einer Arbeitgebermarke Standortnachteile auszugleichen? Welche Maßnahmen kennt Ihr noch? In einem Folgeartikel werde ich einige Ansätze zur Fachkräftesicherung durch Standortmarketing zeigen, die in Deutschland schon angewandt werden und nehme dazu gerne Eure Anregungen auf.

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