Fachkräftemangel

inhaltsverzeichnis
zurück zum Glossar

Was ist ein Fachkräftemangel?

Ein Fachkräftemangel entwickelt sich aus einem Fachkräfteengpass und beschreibt eine langfristig anhaltende Knappheit ausgebildeter Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt. Meist tritt dieses Phänomen nicht in der gesamten Wirtschaft, sondern nur in bestimmten Regionen oder Berufsbildern auf.

Aufgrund seiner zeitlichen Dimension kann ein Fachkräftemangel erst nach längerer Betrachtung der Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt festgestellt werden. Erste Anzeichen für einen bestehenden Fachkräftemangel sind übermäßig lange Besetzungszeiten und überdurchschnittliche Gehaltsentwicklungen in den betroffenen Gebieten oder Fachbereichen.

Wie entsteht ein Fachkräftemangel?

Ein Fachkräftemangel entsteht häufig durch einen demografischen Wandel in der Gesellschaft. Dabei nimmt die Zahl der gut qualifizierten Fachkräfte z.B. aufgrund hoher Auswanderung, niedriger Geburtenraten oder schlechter Bildungsstandards ab, während der Bedarf an Spezialisten und Experten auf Unternehmensseite gleichbleibt oder sogar steigt. Diese gegensätzliche Entwicklung von Angebot und Nachfrage führt zunächst zu einem Fachkräfteengpass, der langfristig in einem Mangel mündet.

Herrscht in Deutschland ein Fachkräftemangel?

Diese Frage ist bundesweit vor allem auch auf politischer Ebene stark debattiert. Sicher ist jedoch, dass Deutschland schon seit geraumer Zeit mit einer Überalterung der Bevölkerung zu kämpfen hat. Folglich nimmt die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter stetig ab. Für die weitere Entwicklung gibt es verschiedene Zukunftsszenarien, die je nach Prognose der unterschiedlichen Einflussfaktoren wie Zuwanderungsströme und Geburtenraten in ihrem Ergebnis variieren.

Welche Berufe sind besonders betroffen?

In Deutschland sind derzeit insbesondere MINT-Berufsgruppen sowie Gesundheits- und Pflegeberufe von einer Fachkräfteknappheit betroffen. Als Konsequenz der weltweit immer weiter fortschreitenden Digitalisierung ist die Nachfrage nach Personal aus den wissenschaftlichen und technischen Berufsbildern stark gestiegen. Ebenso wird aufgrund einer zunehmenden Überalterung der Bevölkerung immer mehr Pflegepersonal benötigt. Diese Entwicklungen zeigen sich in teilweise bundesweit zu beobachtenden Fachkräfteengpässen.

Welche Regionen sind besonders betroffen?

Bei der Verteilung der Arbeitskräfte zeigt sich immer wieder ein starkes Ost-/West-Gefälle. Vor allem die östlichen Bundesländer haben mit einer rückläufigen Bevölkerungsentwicklung und in der Konsequenz auch mit verstärktem Fachkräftemangel zu rechnen (siehe Abb. 1). Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind hiervon am stärksten betroffen. Lediglich die Großstädte Hamburg und Berlin können den Arbeitskräfterückgang langfristig unter 10% halten.

Der bundesweit prognostizierte Arbeitskräfterückgang könnte einen Fachkräftemangel auslösen.

Abb. 1) In allen Bundesländern ist ein Arbeitskräfterückgang zu erwarten, der zeitnahe Maßnahmen zur Fachkräftesicherung empfehlenswert macht.

Die hier dargestellte Bevölkerungsvorausberechnung geht zudem bereits von verstärkter Zuwanderung aus. In anderen Prognosen zeichnen die Zahlen ein entsprechend noch düstereres Zukunftsszenario.

Was kann man gegen den Fachkräftemangel tun?

Gerade im IT-Bereich ist oftmals ein Outsourcing ins Ausland die Antwort auf den nationalen Fachkräftemangel. Eine Auslagerung steht jedoch nicht in allen Fällen zur Debatte, da insbesondere Tätigkeiten aus dem Dienstleistungssektor wie z.B. im medizinischen Bereich häufig einer starken Kundennähe bedürfen. Hier muss zu anderen Mitteln gegriffen werden.

Unternehmensinterne Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel

  • Erhöhung der Arbeitszeiten
  • Qualifizierung von Fachkräften im Unternehmen
  • Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland
  • Erhöhung der Produktivität durch Digitalisierung
  • Flexibilisierung der Arbeitszeit für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Implementierung vielfältiger Anreizsysteme für Fachkräfte wie z.B. finanzielle Incentives, regelmäßige Weiterbildungen, weitreichende Handlungsspielräume oder andere Benefits

Die fünf Sicherungspfade der Bundesregierung

  • Aktivierung und Beschäftigungssicherung
    Bei einer stetigen Überalterung der Bevölkerung liegt es nahe, im Rahmen der Fachkräftesicherung ältere Menschen möglichst lange in der Erwerbstätigkeit zu halten. Die Regierung hat entsprechende politische Maßnahmen, wie zum Beispiel die schrittweise Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre oder die Flexibilisierung der Arbeitszeitmodelle für eine längere Teilhabe älterer Menschen am Berufsleben, ergriffen. Gleichzeitig gilt es, Arbeitslose und die sogenannte Stille Reserve (nicht berufstätige aber erwerbsfähige Personen, die nicht arbeitslos gemeldet sind) wieder in die Erwerbstätigkeit einzugliedern.
  • Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf
    Das größte und am schnellsten zu aktivierende Potenzial zur Fachkräftesicherung sieht die Bundesagentur für Arbeit in der Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit. Nach wie vor hindern eine unzureichende Betreuungsinfrastruktur und mangelnde Arbeitszeitflexibilität viele Mütter daran, eine Arbeit aufzunehmen bzw. ihre Arbeitszeit zu erhöhen. Zahlreiche Initiativen für eine familienbewusstere Arbeitswelt sollen den beruflichen Wiedereinstieg von – insbesondere auch alleinerziehenden – Eltern fördern und mehr weibliche Fachkräfte für Führungspositionen gewinnen.
  • Bildungschancen für alle von Anfang an
    „Kinder sind die Zukunft“ – frei nach diesem Motto setzt die Bundesregierung zur langfristigen Fachkräftesicherung auf eine verbesserte frühkindliche Bildung und Unterstützung der Eltern bei der Begleitung ihrer Kinder auf dem Bildungsweg. Durch diese Maßnahmen sollen zum einen die Schulabbrecherquote verringert und zum anderen bessere Lebens- und Entwicklungschancen insbesondere auch für Kinder aus sozial schwachen Familien geschaffen werden.
  • Qualifizierung: Aus- und Weiterbildung
    Die Abbrecherquote bei Berufsausbildungen soll ebenfalls nachhaltig gesenkt werden. Durch die Sicherstellung eines Schul- und Ausbildungsabschlusses sowie attraktivere Arbeitsbedingungen in personalkritischen Bereichen wie beispielsweise der Altenpflege soll die Fachkräftebasis in Deutschland gesichert werden. Gleichzeitig soll auch die Aufnahme eines Studiums weiterhin gefördert und die Bildungsqualität erhöht werden. Die Bundesregierung appelliert zudem an die Verantwortung eines jeden Unternehmens, die Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter proaktiv voranzutreiben und zu unterstützen.
  • Integration und qualifizierte Zuwanderung
    Auch die Zuwanderung und Integration qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland spielt vor dem Hintergrund des demografischen Wandels eine entscheidende Rolle für die Fachkräftesicherung in Deutschland. Hierfür sind eine Prüfung des Zuwanderungsrechts und der Bewertungsprozesse für ausländische Berufsabschlüsse notwendig. Migrationsberatung, Integrationskurse und Sprachförderung sollen eine schnelle Eingliederung der zugezogenen Fachkräfte begünstigen.

Was bedeutet der Fachkräftemangel für das Recruiting?

Gerade in Engpassberufen ist eine überregionale Rekruitierungsstrategie unabdingbar. Die Online-Personalsuche bietet hierfür die besten Möglichkeiten, da sich schnell eine hohe Bewerber-Reichweite in der anvisierten Zielgruppe aufbauen lässt. Das Internet bietet außerdem den entscheidenden Vorteil des Targeting, wodurch Wunsch-Bewerber zielgenau angesprochen werden können. Auf diesem Wege können zum Beispiel auch passiv Jobsuchende, die sich noch in einer Anstellung befinden, auf das eigene Stellenangebot aufmerksam gemacht und abgeworben werden.

Ein weiterer Vorteil des Online-Recruiting ist, dass sich verschiedene Personalmarketing-Kanäle zeitgleich gegeneinander testen und hinsichtlich ihrer Rücklaufquoten vergleichen lassen. So können für Mangelprofile ertragreiche Kanäle schnell und zuverlässig identifiziert und in Folge verstärkt genutzt werden.

Natürlich sind dafür kontinuierliches Monitoring und eine regelmäßige Evaluation der Maßnahmen mithilfe von HR-Analytics unerlässlich. Nur so lassen sich datenbasierte HR-Entscheidung treffen, um die Bewerberzahlen für Mangelprofile nachhaltig zu optimieren und maximale Budget-Effizienz zu gewährleisten.

Weblinks

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), 2011: Fachkräftekonzept der Bundesregierung
Statistisches Bundesamt (Destatis), 2015: Bevölkerungsentwicklung in den Bundesländern bis 2060