Fachkräfteengpass

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Was ist ein Fachkräfteengpass?

Ein Fachkräfteengpass beschreibt die kurzfristige Knappheit qualifizierter Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt. Das bedeutet, dass über einen begrenzten Zeitraum hinweg die Nachfrage nach Fachkräften in einer bestimmten Region oder Berufsgruppe größer ist als das bestehende Fachkräfteangebot (siehe Abb. 1).

„Fachkräfte im weiteren Sinne umfassen dabei Personen, die eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen höherwertigen Abschluss besitzen.“ [BMWi, 2014, 4].

Ein Fachkräfteengpass entsteht aus einer das Angebot übersteigenden Nachfrage an Fachkräften.

Abb. 1) Entstehung eines Fachkräfteengpasses auf dem Arbeitsmarkt

Ein Fachkräfteengpass kann auch entstehen, wenn es rein rechnerisch mehr Arbeitslose als offene Stellen auf dem Markt gibt. Nämlich dann, wenn die Qualifikationen der verfügbaren Arbeitskräfte nicht mit den vom Unternehmen benötigten Qualifikationen übereinstimmen. In diesem Fall kommt es zu einer Fehlpassung – einem sogennanten Mismatch – und in der Folge zu einem Fachkräfteengpass. Bleiben Fachkräfteengpässe dauerhaft bestehen, sprechen wir von einem Fachkräftemangel.

Auswirkungen eines Fachkräfteengpasses im Unternehmen

Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage führt im Unternehmen zunächst zu Rekruitierungsschwierigkeiten, die sich in einer längeren Vakanzzeit für ausgeschriebene Stellen und in der Konsequenz meist auch einem höheren Cost-of-Vacancy bemerkbar machen.

„Als unübliche hohe Vakanzzeiten gelten Werte von 40 Prozent über dem Durchschnitt und eine Zunahme um 10 Tage gegenüber dem Referenzjahr.“ [bpb, 2014]

Weitere Recruiting Kennzahlen wie beispielsweise die Offer-Acceptance-Rate können durch einen Fachkräfteengpass und den damit steigenden Wettbewerb auf dem Arbeitnehmermarkt ebenfalls negativ beeinflusst werden.

Schlussendlich haben die unbesetzten Stellen nicht nur eine verschlechterte Performance der HR-Abteilung, sondern des gesamten Unternehmens zur Folge. So kommt es gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen aufgrund eines Fachkräfteengpasses häufig zum Auftragsverzicht. Die hieraus entstandenen Umsatzeinbußen können sich im schlimmsten Fall existenzgefährend auf das Unternehmen auswirken.

Fachkräfteengpässe in Deutschland

Fachkräfteengpasse treten in Deutschland durch alle Qualifikationsniveaus hinweg auf. MINT-Berufe und akademische Berufsgattungen sind von solchen Engpässen besonders häufig betroffen. Gleichzeitig begünstigt die zunehmende Akademisierung jedoch einen Fachkräfteengpass auf Spezialistenebene, da die Zahlen derjenigen, die den beruflichen Qualifizierungsweg über Aufstiegsfortbildungen wie beispielsweise den Erwerb eines Meister-Titels wählen, seit Jahren stagniert (siehe Abb. 2).

Immer mehr Menschen entscheiden sich für einen kademischen Werdegang.

Abb. 2) Die Zahl der Akademiker steigt, während die Zahl der Spezialisten in Deutschland stagniert.

Zusätzlich wird die Fachkräfteknappheit in Deutschland durch den demografischen Wandel begünstigt. Nach Analysen der Bundesagentur für Arbeit bestehen derzeit bundesweite Fachkräfteengpässe in einzelnen technischen Berufsfeldern (sowohl auf Experten- als auch auf Spezialisten-Ebene) sowie in einigen Gesundheits- und Pflegeberufen (siehe Abb. 3).

Es gibt Engpässe in einzelnen technischen Berufsfeldern sowie in einigen Gesundheits- und Pflegeberufen.

Abb. 3) Aktuelle Analysen visualisieren bundesweite Mangelsituationen bei Fachkräften und Spezialisten im Technik- und Gesundheitssektor.

Insbesondere in den letzten Jahren hat Deutschland durch die Flüchtlingsströme seinen Anteil an jungen, erwerbsfähigen Personen in der Bevölkerung unvorhergesehenermaßen steigern können. Gelingt es, die Geflüchteten erfolgreich in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren und zu qualifizierten Fachkräften auszubilden, könnte hier womöglich eines der größten Potenziale für die zukünftige Besetzung von Engpassberufen liegen. Weitere wichtige Potenziale für die zukünftige Versorgung von Mangelprofilen finden sich in der Ausbildungsphilosophie des lebenslangen Lernens sowie der fortschreitenden Digitalisierung und dem damit einhergehenden Produktivitätsgewinn.

Weblinks

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), 2014: Fachkräfteengpässe in Unternehmen
Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), 2014: Fachkräftemangel
Bundesagentur für Arbeit (BA), 2016: Der Arbeitsmarkt in Deutschland – Fachkräfteengpassanalyse