Demografischer Wandel (in Deutschland)

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Was ist ein demografischer Wandel?

Als demografischer Wandel wird die aktuelle Tendenz der Bevölkerungsentwicklung bezeichnet. Die Veränderungen betreffen insbesondere die Altersstruktur der Bevölkerung, das quantitative Verhältnis von Männern und Frauen, den Anteil von Inländern, Ausländern und Eingebürgerten an der Bevölkerung, die Geburten- und Sterbefallentwicklung sowie die Zuzüge und Fortzüge.

Einer der wichtigsten Faktoren, die den demografischen Wandel bestimmen, ist die Veränderung der Altersstruktur (siehe Abb. 1): Seit den 70er Jahren ist die Sterberate größer als die Geburtenrate. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung der Bevölkerung, was dazu führt, dass der Anteil älterer Menschen gegenüber dem jüngerer Menschen steigt. Daraus folgt, dass die deutsche Bevölkerung schrumpft und zugleich aus immer mehr älteren Menschen besteht.

Dies wird in Zukunft strukturell und gesellschaftlich zu weitreichenden Veränderungen führen. Unmittelbar betroffen sind zum Beispiel das Bildungssystem und die Sozialsysteme (hier vor allem die Altersvorsorge), aber auch deutsche Unternehmen.

Demografischer Wandel in Deutschland zwischen 2008 und 2030.

Abb. 1) Im Vergleich zu 2008 verliert Deutschland bis zum Jahre 2030 über 6 Millionen Arbeitskräfte.

Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt

Obwohl sich die Altersstruktur schon seit Jahren kontinuierlich verändert, waren die Auswirkungen (insbesondere für die Wirtschaft) bisher überschaubar. Doch seit 2015 geht die sogenannte Generation der Baby-Boomer, in den Jahren zwischen 1955 und 1969 geboren, vermehrt in Rente. Durch die sinkenden Geburtsraten der letzten Jahre wird aber in Zukunft nicht jede aus der Erwerbstätigkeit ausscheidende Arbeitskraft durch eine nachkommende Arbeitskraft ersetzt werden können.

Als mögliche Entlastung von der alternden Gesellschaft gilt die Migration. Im Durchschnitt sind die zuziehenden ausländischen Personen jünger als die fortziehenden. Arbeitsmigration gilt somit gemeinhin als Chance, bereits bestehende Fachkräfteengpässe zu entschärfen und so den erwarteten Fachkräftemangel abzufangen. Da der demografische Wandel jedoch nicht nur Deutschland, sondern auch viele andere Industrieländer betrifft, ist in diesem Bereich mit Konkurrenz zu rechnen.

Des Weiteren ist auch die Beschäftigung von Frauen ein langfristig wichtiger Faktor für die deutsche Wirtschaft. Im Vergleich zu Ländern wie Großbritannien, Dänemark oder Schweden liegt die Erwerbsquote bei Frauen zwischen 25 und 59 Jahren hierzulande niedrig. Während sie sich in Deutschland bei durchschnittlich ca. 69% bewegt, erreicht sie in Schweden ganze 80%. Die Ursachen hierfür liegen unter anderem in der unzureichenden Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die vor allem (alleinerziehende) Mütter betrifft.

Auch die Digitalisierung und der technische Fortschritt (insbesondere im Bereich der Robotik) – häufig unter dem Sammelbegriff Arbeit 4.0 thematisiert – könnten die in Folge des demografischen Wandels drohende Arbeitskräfteknappheit abfangen. Nach aktuellen Erwartungen wird dies jedoch stärker die Nachfrage an Geringqualifizierten als an Fachkräften betreffen.

Auswirkungen auf das Recruiting

Auch im Recruiting sind die Folgen des demografischen Wandels unmittelbar spürbar. Meist sind verschlechterte Recruiting KPI ein erster Indikator hierfür. Die Besetzungszeiten verlängern sich und die Kosten der Personalgewinnung steigen. Zusätzlich wird der Konkurrenzkampf (War for Talents) insgesamt stärker und die Mitarbeiterbindung anspruchsvoller.

Der Arbeitsmarkt wird zum Arbeitnehmermarkt, in dem die Kandidaten das Sagen haben (siehe Abb. 2). Sie entscheiden, welchen Job sie annehmen, wie lange sie bei einem Arbeitgeber bleiben und ob ihnen die Konditionen bei der Konkurrenz besser gefallen. Entsprechend steigen auch die Erwartungen und Ansprüche der Kandidaten. Personalmarketing, Personalmanagement-Strategien und Employer Branding werden in diesem Zusammenhang in Zukunft weiter an Bedeutung hinzugewinnen.

Personaler sehen sich mit einem Arbeitsmarkt konfrontiert, in dem die Kandidaten das Sagen haben.

Abb. 2) Der Wandel zum Arbeitnehmermarkt macht durchdachte Personalmarketing-Maßnahmen und eine starke Employer Brand unabdingbar.

Weblinks

Destatis: Bevölkerungspyramide der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland
Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: Deutschland – eines der kinderärmsten Länder
Bundeszentrale für politische Bildung: Dossier – Demografischer Wandel in Deutschland
MRINetwork: Recruiter Sentiment Study
Wollmilchsau Blog: Der Wandel zum Arbeitnehmermarkt
Wollmilchsau Blog: Demografischer Wandel und Standortattraktivität in Deutschland