Bye Bye „Arbeitnehmer“ – Auf der Suche nach einem besseren Begriff

Wir hatten Euch vor ein paar Wochen nach neuen Begriffen gefragt, die sich an Stelle des alten „Arbeitnehmers“ einsetzen ließen. Der Hintergrund: Das klassische (Macht)verhältnis „Arbeitgeber gibt dem Arbeitnehmer Arbeit“ wird durch neue Formen des unternehmerischen Arbeitens stetig weiter aufgelöst, und die alten Begriffe beschreiben die neuen Gefüge oft nur noch unzureichend. Dabei soll nicht vergessen werden, dass nach wie vor viele Menschen in sehr festen, traditionellen Arbeitsverhältnissen stehen. Das mag gewollt und praktikabel sein, kann aber auch missbräuchlich und zum Nachteil der Arbeitnehmer eingesetzt werden. Im traditionellen Betrieb genauso, wie im hippen Start-Up mit angeblich flachen Hierarchien. Wir wollten also keine schöne neue Arbeitswelt herbeischreiben, uns aber auch nicht in das alte sprachliche Korsett zwängen lassen.

Unsere Leser steuerten in kurzer Zeit eine überwältigende Menge an neuen und alten Begriffen bei, die ich Euch hier einfach mal unkommentiert (und umgeändert) aufzähle. Manche doppelte oder sehr ähnliche Nennung habe ich mir erlaubt zusammenzufassen.

Eure Vorschläge für neue Begriffe des Wortes „Arbeitnehmer“:

  • Wertschaffender
  • Solution-Expert (f/m)
  • Sicheinbringer
  • Vertragspartner
  • Leistungsgeber
  • Arbeitgeber
  • Talentbringer
  • Kompetenzcharakter
  • Mitarbeiter
  • Leistungsträger
  • Professional
  • Kompetenzträger
  • Macher
  • BeitragendeR oder MitwirkendeR
  • Talent
  • Wertschöpfer
  • WertEschöpfer
  • Qualifikationsmerkmalsträger (m/w)
  • Betriebsangehöriger
  • Teammitglied
  • Kollege
  • Mensch
  • Mitarbeitende
  • Investment
  • Stelleninhaber
  • Nimm-Geber
  • ManOnDuty
  • Denk-Macher
  • Dienstleister(in)
  • Arbeiter
  • Leistungserbringer
  • Humankraft
  • Expertisengeber
  • Arbeitsanbieter
  • Beteiligter
  • Mitwirkender
  • Beitragende
  • Performer

Ich finde sie alle bemerkenswert! Vielen Dank dafür. Auch dafür, dass hier nochmal eine ganz neue Vielfalt und andere Blickwinkel in unsere Diskussion kam. Nun möchte ich nicht den einen Begriff auswählen, es gibt aber Tendenzen bzw. Begriffsgruppen, die ich sehr spannend finde.

Die/Der Wertschaffende: Die Betrachtung aus der großen, wirtschaftlichen Perspektive. Jeder Mitarbeiter, der seine Arbeitskraft einbringt schafft einen Wert – innerhalb des Unternehmens, des Projektes oder der Idee. Dass Wert geschaffen wird, so kann man es sehen, ist Grundlage jedes unternehmerischen Prozesses. Insofern würde diese Bezeichnung dem Arbeitnehmer nicht weniger als diesen Respekt zukommen lassen.

Der/Die Kompetenzträger(in): Etwas persönlichere Sicht. Nicht das Ergebnis der Arbeit steht im Vordergrund, sondern die jeweiligen Eigenschaften, die den Mitarbeiter für das Projekt wertvoll machen. Fähigkeiten sind nach meinem Gefühl etwas individueller, weniger austauschbarer als der wirtschaftliche Wert, der am Ende einer Arbeit entsteht. So geht es nicht nur um Erfolg oder Misserfolg, sondern auch auch um das Wie. Bringt dem Arbeitnehmer eine individuellere Wertschätzung.

Das Teammitglied: Nimmt wiederum etwas Individualität raus. Der Arbeitnehmer ist zwar kein beliebiges, arbeitsübernehmendes Wesen, aber Teil eines komplexen Gefüges – das vielzitierte „Rad im Getriebe“. Dieser Begriff flacht in meinen Augen Hierarchrien ab und schafft das Bild einer arbeitenden, solidarischen Gemeinschaft. Ich kann mich persönlich oft ganz gut mit diesem Begriff identifizieren, aber er birgt auch die größte Missbrauchsgefahr: Schnell wird das Teammitglied so zum Soldaten, der sich selbstaufopfernd zurückstellt und für ein höheres Ziel (die Anderen) arbeitet – die tun es ja schließlich auf für ihn. Oder..?

Der Mensch: Crazy. Mensch. Am Ende des Tages sind wir alle Menschen die für ihr Leben sorgen – oder das Leben ihrer Lieben. Wer das nicht aus den Augen verliert, der wird auch Themen wie Work-Life-Balance, faire Behandlung und den nötigen Respekt voreinander im Blick behalten. Allerdings hat jeder sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, was das Mensch-sein so ausmacht. Im kommunikativen Alltag nicht der einfachste, im Grundsatz aber fast der spannendste Begriff.

Welche Begriffe gefallen Euch und warum? Oder habt ihr angesichts dieser Liste noch einen Nachtrag?





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22 KOMMENTARE

  1. bitte „ungeändert“ … ;-)

  2. Ich habe mit allen genannten Tendenzen meine Probleme.

    „Wertschaffende“ trifft’s meiner Meinung nach am Besten, allerdings fehlt hier noch eine arbeitsmarktbezogene Einschränkung, wenn der Begriff für „Erwerbstätig“ stehen soll. Werte werden auch von denen geschaffen, die weder Unternehmer/in sind noch in einem Arbeitsverhältnis stehen.

    „Kompetenzträger/in“ würdigt zwar Fähigkeiten, Zertifikate und Berechtigungen (z. B. die für Vertragsunterzeichnungen), sagt aber nichts über Engagement und tatsächliche Arbeitsleistung aus.

    Irgendwie ist noch kein Begriff dabei, der zwar Wertschätzung für Arbeitsleistung zum Ausdruck bringt, aber nicht zeitgleich die Nicht-Arbeitenden diskreditiert. Und mir fällt außer „Mitarbeiter/in“ keiner ein.

    1. Ein guter Hinweis, dass man eine arbeitsmarktbezogene Einschränkung hinzufügt!

      „Kompetenzen“ meinte ich auch im Sinne von Fähigkeiten, nicht im organisatorischen Sinn von Zuständigkeit oder Berechtigung.

      Ja, der „Mitarbeiter“ liegt mir auch sehr, würde ich auch die Gruppe der „Teammitglieder“ stecken. Ist halt nur recht unpersönlich, wie im Insektenstaat. Ein Arbeiterin im Bienevolk ist im Zweifel auch eine guter Mitarbeiterin – persönliche Wertschätzung erfährt diese aber nicht.

  3. Berufung+Arbeit=Berufener :-) Fehlte noch…

  4. ‚Am Ende des Tages sind wir doch alle Menschen….‘ Den ganzen Tag sind wir Menschen und das wird oft von den sogenannten Arbeitgebern vergessen. Oder nehme ich Deine Formulierung da zu wörtlich?

    1. Ich hatte es an sich nur Floskel gebraucht, aber ja: Es passt wunderbar! ;) Am Ende des (Arbeits)tages, sind wir wieder Mensch – oder schon davor? Sehr schön.

  5. Das Leben ist „Geben und Nehmen“ => ArbeitGEBER und ArbeitNEHMER. Einfach aufhören in starren Strukturen zu denken, dann muß ich nicht mühselig andere Begriffe erfinden. Die machen es nämlich nicht besser oder anders. Ein neuer Begriff löst wenn dann nur ein Symptoms auf jedoch nicht die Ursache => Meines Erachtens eine Diskussion, die Leute führen, die zu viel Zeit haben…

    1. Leider festigen starre Begriffe oft die Strukturen in denen wir denken, deswegen wollten wir anfangen hier etwas Flexibilität reinzubringen. Neues Denken braucht immer auch neuen sprachlichen Ausdruck, sobald man das auch kommunizieren will. Und häufig sprechen und schreiben wir und „Arbeitnehmern“, merken dann aber, dass es sowohl im Schreiben als auch im Verständnis der Leser nicht mehr richtig passt.

      1. Ich stimme bei – Sprache schafft Realität. Mir gefällt „Wertschaffende/r“ sehr gut, impliziert für mich meinen Anteil am Unternehmenserfolg und der Wertschätzung, die mir dafür entgegengebracht wird, wenn ich dazu positiv beitrage.
        Ich finde „Berufene/r“ auch sehr schön, da kommt ein bißchen auch die Freude an der Arbeit durch ;-)
        Was mir nicht so gut gefallen hat, war „ManOnDuty“ – wenn schon „Person“ – aber Duty klingt nach Pflicht und nicht nach Freude
        Sehr spannender Beitrag – vielen Dank!

  6. Danke für den Begriff „Mensch“ :-) Wir haben gerade unsere Website daraufhin angepasst. Immer guter Input.

  7. Ein schön philosophisches Thema. Aber wunderbar, weil so inspirierend. Den „Wertschaffenden“ finde ich spannend. Vor allem weil damit gleichzeitig ein Anspruch an den Mitarbeiter ergeht ein ebensolcher zu bleiben bzw. tatsächlich Werte zu schaffen.

    1. Nicht falsch, sogar gut aber auffällig: Der Anspruch an den Arbeitnehmer.

      In einer Zeit, in der einige (gerade die, die das Thema gerne diskutieren) in einer Erwartungshaltung gegenüber den Arbeitgebern stehen. Das erinnert uns irgendwo daran, dass es ein (Arbeit) geben und (Arbeit) nehmen ist – kein reines Arbeitnehmen.

      Weitergedacht: Da fragen wir uns, wie wir dem Arbeitnehmer durch Umbezeichnung ziemlich billig und unverbindlich mehr Wertschätzung entgegen bringen und kreieren eine stärkere Erwartungshaltung.
      Dadurch erhöhen wir sogar den Druck auf den Arbeitnehmer, der oft auch garnicht mehr Wert oder irgendeinen (positiven) Wert schaffen kann auf Grund der äußeren Umstände (Budgets, Arbeitsplatzqualität,…). Ich habe schon oft genug Arbeitszeit damit verbracht mich schlecht zu fühlen, eben weil ich keinen Beitrag leiste weil zum Beispiel Arbeitsmittel nicht zu Verfügung stehen – wohlgemerkt außerhalb meines Einflusses.

  8. Employer Branding mit Automatik: Von der Strahlkraft starker Produktmarken. | buckmannbloggt.

    […] hat 7000 Arbeitsnehmende und Arbeitssuchende (oder vielleicht besser: Kompetenzträgerinnen?!)  zwischen 18 – 65 Jahren via Online-Umfrage über die Bekanntheit der Marke und die […]

  9. Ich freue mich sehr, dass Ihr Euch der Idee annehmt den Begriff des Arbeitnehmers aus der Welt zu schaffen. Das Wort stört mich schon sehr lange. Einfach „Macher“ wäre mein Favorit!

  10. Ronald (blog.ronaldfilkas.de)

    Solange die Gehaltsentwicklung in Deutschland seit Jahren immer noch der allgemeinen Teuerungsrate und dem europäischen Durchschnitt hinterherhinkt, solange mit dem fragwürdigen Argument des Fachkräftemangels billige Arbeitskräfte aus dem Ausland anstatt arbeitslose Fachkräfte von hier eingestellt werden, solange Arbeitnehmer Überstunden en masse übernehmen müssen, teilweise sogar nach Feierabend und am Wochenende erreichbar sein müssen, solange Zeit- und Leiharbeiter unter dem Gehalt der Festangestellten liegen, solange Zeitarbeitsfirmen mit teilweise völlig falschen Versprechungen Arbeitnehmer ködern (können), solange Arbeitsbedingungen wie bei Aldi, Lidl, Amazon und nun auch bei Zalando aufgedeckt werden, solange man als Arbeitssuchender keine Absagen erhält, selbst, wenn vorher sogar ein Vorstellungsgespräch stattgefunden hat, usw., solange ist der Versuch, das Wort „Arbeitnehmer“ zu ersetzen, egal ob durch „Mensch“, das unter den genannten Umständen besonders deplatziert erscheint, oder sonst etwas, geradezu heuchlerisch, wenn nicht zutiefst zynisch!

    1. Mal angenommen, es bestünde ein direkter Zusammenhang zwischen den aufgezählten Missständen und der Begriffswahl in der fachlichen Kommunikation über das Verhältnis von Arbeit und denen die sie leisten:

      Solange wir dem Arbeitnehmer das Menschsein absprechen, tun wir ihm bestimmt keinen Gefallen in Bezug auf die immer noch bestehenden Ungerechtigkeiten. Im Prinzip sehe ich Deinen Kommentar eher als Aufruf, den Arbeitnehmer als Menschen zu erkennen.

      1. Das würde auch höchste Zeit werden! Tatsächlich sieht es aber doch noch viel zu oft so aus, dass der Begriff „Lohnsklave“ am treffendsten wäre. Und wenn der Mensch nur über Arbeit definiert wird bzw. sich selbst darüber definiert, mag die Alternative „Mensch“ zwar passend sein, aber dann ist er eben auch nur ein (welch hässliche Kreation, kann wohl nur von einem Werber stammen:) „ManOnDuty“ und ein (ebenso hässlich, aber vielsagend:) „Performer“!

        Siehe auch: http://blog.ronaldfilkas.de/2012/09/27/was-tun/

  11. Warum arbeiten wir eigentlich?

    […] durch unsere tägliche Arbeit und die Diskussionen um den Begriff “Arbeitnehmer” beschäftige ich mich die Tage vermehrt mit der Frage: Was wollen die unterschiedlichen […]

  12. Employer Branding von morgen – Suppen Report KW 9 – KW 17

    […] Arbeitnehmer von morgen ist … Die Wollmilchsau spielte mir mit dem Artikel “Bye, Bye Arbeitnehmer” quasi direkt in die Hände. Denn, unter anderem werde ich auch zu diesem Sachverhalt am […]

  13. Was macht uns zum attraktiven Arbeitgeber? HR-Sommerakademie › comspace-Blog

    […] In Zeiten von kreativer Kopfarbeit, neuen Formen unternehmerischen Arbeitens und immer lockerer werdenden Arbeitsverhältnissen sollten wir anfangen, altmodische Begrifflichkeiten wie “Arbeitnehmer” und “Arbeitgeber” hinterfragen. Erfreulicherweise hat z.B. die Wollmilchsau bereits einen Anfang gewagt: “Bye Bye Arbeitnehmer“. […]

  14. Nach meiner persönlichen Erfahrung, gerade bei der Arbeit mit jüngeren Unternehmen kommen wir immer mehr in die Nähe eines „Lohnfreunds“ – mit allen Assoziationen, Vor- und Nachteilen, die diese Benennung mit sich bringt.

  15. Wo ist der Arbeitabnehmer?

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