Energiewende ohne Fachkräfte? Die Energiewirtschaft in der Recruiting-Krise

Fridays for Future, Klimastreik, E-Autos – alles nur Stichworte der Energiewirtschaft, die letztendlich aber auf einen gemeinsamen Nenner kommen: Die Energiewende. Das von der Bundesregierung erklärte Ziel der Energiewende ist es, die Energieversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen – beim Stromsektor, aber auch bei Wärme und Verkehr. Ein solches Vorhaben fordert die beteiligten Unternehmen in sehr hohem Maße, allen voran die Energiewirtschaft.

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Bundesregierung sieht „Anzeichen von Fachkräftemangel in der Energiewirtschaft”

Es liegt auf der Hand, dass eine solche Transformation nicht allein deshalb geschieht, weil man sie festlegt. Zur Umsetzung werden Menschen benötigt, die in der Lage sind, die nötigen Schritte dafür zu vollziehen. Die große Frage: Kann der Arbeits- und Ausbildungsmarkt dafür in den kommenden zehn Jahren die notwendigen Fachkräfte liefern?

Im Zuge des Atom- und Kohleausstiegs, des Netzumbaus und der Sicherung der Energieversorgung gibt es in der Politik kaum Aufschluss über den steigenden Bedarf an Fachkräften. Das geht laut Tagesspiegel aus der Antwort auf eine Kleinen Anfrage der Grünen im Bundestag hervor: „Eine energiewendebezogene Angabe kann nicht gemacht werden“, heißt es. Eine Studie von 2018 enthalte zwar „Anzeichen für einen Fachkräftemangel“, insgesamt seien Berufsgruppen mit Energiewendebezug und der jeweilige Energiewendeanteil ihrer Tätigkeiten aber schwer vollständig zu erfassen.

Das ist insbesondere deshalb so gravierend, da die Beschäftigtenstruktur im Energiesektor aus auffallend vielen Fachkräften besteht. Insgesamt sind es rund 90 Prozent – zum Vergleich, sind es im Bereich Versicherungs- und Finanzdienstleistungen nur knapp über 50 Prozent. Bei einer Umfrage im Jahr 2019 zu Fachkräftemangel und -Recruiting lag eine Schätzung der Unternehmen bei insgesamt etwa 6.000 neu zu besetzenden bzw. frei werdenden Stellen im Jahr. Diese wird sich bis zum Jahr 2025 auf jährlich insgesamt rund 10.000 Stellen erhöhen – nur in der Versorgungswirtschaft! Die Fachkräftesituation ist bereits heute bei 40 Prozent der Unternehmen angespannt, bis 2025 erwarten zwei Drittel der Unternehmen einen akuten Fachkräftemangel, der die technische Leistungsfähigkeit gefährdet.

Wollmilchsau sieht bestehenden Fachkräftemangel in der Energiewirtschaft

Mit unserer Studie 2021 zum Energiesektor können wir nun auch in Zahlen klar sagen: Die Anzeichen für einen Fachkräftemangel haben sich mehr als bewahrheitet. Elektroniker:innen mit der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik beispielsweise wiesen im Jahr 2020 in der Berechnung der BA eine Arbeitslosen-Stellen-Relation von 0,77 auf. Eine aktuelle Bestandsaufnahme aus dem Jobspreader Marktdatenchecker malt ein noch schwärzeres Bild: Hier kommen auf eine offene Stelle nur noch 0,3 Arbeitslose.

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Eine weitere Baustelle ist – wie so häufig – die Digitalisierung. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) nennt die Digitalisierung der Energiewirtschaft „größtes nationales IT-Projekt aller Zeiten“. Daraus ergibt sich neben Fachkräften und Ingenieursberufen ein weiterer Bereich, der personell abgedeckt werden muss: Laut Verband gibt es einen sehr großen Bedarf an IT-wissenschaftlichen Studiengängen für die Energiewirtschaft, bislang aber kaum Angebote.

Insgesamt hat die Branche ein Nachwuchsproblem. Denn nicht nur die fehlenden Studiengänge, sondern auch fehlende Auszubildende machen den Unternehmen zu schaffen. Die Branche ist klar darauf angewiesen aus- und fortzubilden. Vorteil hier: Energie- und Wasserwirtschaft können grundsätzlich punkten und sich gut von anderen Branchen abheben, denn sie sind systemrelevant und somit recht krisensichere Arbeitgeber. Allerdings fehlt es hier vielen Unternehmen an Bewusstsein, dass dafür ein zielführendes Azubimarketing notwendig ist. Auch eine ganzheitliche Ausbildungsstrategie mit realistischem Blick auf den Bewerber:innenmarkt kann im War for young talents nur nützlich sein und dazu beitragen, die Lücken in vielen Fachbereichen zu stopfen.

Hilf dir selbst, dann hilft dir… zum Beispiel der Jobspreader

Fazit: Die Energiepolitik in Deutschland bewegt sich langsam in die richtige Richtung. Das von politischer Seite ein Ausweg aus dem Fachkräftemangel geboten wird, scheint zum aktuellen Zeitpunkt jedoch eher unwahrscheinlich. Deshalb sind es nun die Unternehmen selbst, die Maßnahmen ergreifen müssen, damit dieses wichtige Thema weiter vorangetrieben werden kann und am Ende nicht daran scheitert, dass man zwar höhere Ziele hatte, aber leider niemand da war, der sie umsetzen konnte.

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