Jobbörsen und Reichweite: Wo geht die Reise hin?

Die kürzliche Übernahme von Monster, in deren Verlauf Careerbuilder indirekt mehr oder weniger zum Verkauf freigegeben wurde, sorgte zuletzt für Diskussionen in der Branche. Eva Zils beschäftigte sich in Ihrem Blog ausführlich mit den Umständen.

Dabei wirft Eva nicht zuletzt die Frage auf, wie die Zukunft der Jobbörsen aussehen könnte. Sie geht davon aus, dass es den Jobbörsen zukünftig immer schwerer fallen wird, ihre Leistung eigenständig erfolgreich zu erbringen. Ich finde diese These natürlich sehr interessant. Die Funktionsweise des Jobbörsen-Geschäftsmodells ist ja hier seit ein paar Jahren ein beliebtes Thema.

Ohne weiter rumzureden, möchte ich heute gerne ein paar Zahlen zur Unterstützung von Evas Aussagen in den Raum schmeißen. Dazu habe ich mir stichpunktartig ein paar nette Jobbörsen ausgesucht und ein paar Werte recherchiert. Ich wollte gerne wissen:

  1. wie sich der Job-Bestand zwischen August 2015 und 2016 jeweils verändert hat
  2. wie sich die Zahl der Besucher (Visits) in Relation dazu verändert hat
  3. wie sich die durchschnittliche Reichweite (Visits pro Job) entwickelt hat

Reichweiten-Webinar am 28.04. um 11 Uhr
Jetzt kostenlos anmelden

Schauen wir uns zunächst die Quintessenz der Untersuchung an. Ihr habt sicher schon mal gehört, dass man heute im Schnitt ca. 500 Bewerber-Zugriffe (Visits) benötigt, um eine Stelle zu besetzen. Nun, das große Gesamt-Rechteck unten repräsentiert diese 500 Bewerber-Zugriffe (Visits). Die kleinen Rechtecke stellen die aktuelle Reichweite (Visits pro Job) meiner Test-Kandidaten dar.

Bewerber-Reichweite der einzelnen Jobbörsen

Richtig beobachtet! Keine der recherchierten Jobbörsen für sich alleine genommen kriegt im Durchschnitt die benötigte Reichweite von 500 Visits pro Job hin, um alle ausgeschriebenen Jobs zu besetzen. Auch die Kombination dieser Auserwählten sieht nicht überzeugend aus.

Diese nüchterne Erkenntnis ergibt sich aus der folgenden ziemlich unerotischen Excel-Tabelle. Zu ihrer Ehrenrettung bietet sie Liebhabern von Details weitere interessante Erkenntnisse.

Die wichtigsten Kennzahlen der größten Jobbörsen im zeitlichen Verlauf

So sehen wir z.B., dass es 2016 plattformübergreifend mehr Ausschreibungen gibt (für Monster und Jobs.de habe ich leider jeweils nur einen Wert bekommen). Die Zahl der Besucher (Visits) geht aber, mit Ausnahme von Stepstone, zurück. Das führt dazu, dass die offenbar ohnehin schwache Reichweite wiederum sinkt.

Stepstone als würdiger Marktführer trotzt aus letzter Kraft dem unausweichlichen Trend. Ist Euch schon mal aufgefallen, wo im Netz man gerade überall auf Stepstone Display-Banner trifft?! Eben „überall“.

Stepstone Display Ads

Auch wenn Stepstone heute positiv aus der Reihe fällt, berauschend sind das Niveau und die Entwicklung nicht wirklich. Glaubt Ihr, man kann da noch Riesensprünge erwarten? Und wenn man sie von dem Besten nicht erwarten kann, von wem dann?

Ich war selbst sogar etwas überrascht von meinen Ergebnissen bzgl. der Reichweite. Die einzige Erklärung, die mir spontan einfällt, ist, dass die kommunizierten Job-Bestände viel zu hoch angesetzt werden. Das würde meine pro Job Reichweiten-Rechnungen nach unten verfälschen. Aber warum würden etablierte Player so etwas tun?

Wie man es dreht und wendet, Fachkräftemangel hin oder her, die Nachfrage nach offenen Stellen sinkt, der Bedarf nach neuen Mitarbeitern steigt, liebe Freunde. Eva hat Recht, wie ich finde. Die Jobbörsen kriegen es so einfach wie in den letzten 20 Jahren nicht mehr hin. Und Ihr solltet Euch nicht mehr (ausschließlich) auf sie verlassen. Denn Ihr kriegt da einfach nicht mehr genug und gleichzeitig immer weniger für Euer Geld.

Übrigens drückt man die Leistungsfähigkeit „meiner“ Jobbörsen in Cost-per-Visit (durchschnittliche Kosten pro Besucher einer Standard-Anzeige) oder Cost-per-Click (durchschnittliche Kosten pro Seitenaufruf einer Standard-Anzeige) aus, erhält der eine oder andere von Euch evtl. eine weitere neue Perspektive auf die aktuelle Situation am Markt.

Die Reichweite der Jobbörsen im Vergleich zum Cost-per-Visit und Cost-per-Click

Das lassen wir zum Nachdenken jetzt einfach mal so stehen. Nur eins noch: Wenn Ihr meine Sicht der Dinge in etwa nachvollziehen könnt, zwängt sich die Frage auf, was nun? Es ist einfach. Ihr müsst erkennen, wo Euer Recruiting steht und was man tun kann, um mit den Veränderungen auf dem Markt Schritt halten zu können. Fangt gerne mit unserem kostenlosen Reichweitencheck an! Er bringt Euch einen wichtigen Schritt weiter.





Sichern Sie sich Ihre persönliche Online-Demo (ca. 45 min) inklusive individuellen Reichweiten-Benchmark Ihrer Karriereseite.

Mehr passende Bewerber? Informiere Dich jetzt über die Reichweiten-Lösung Jobspreader. Lade die Management Summary herunter oder fordere eine Online-Demo inklusive kostenlosen Reichweiten-Benchmark Deiner Karriereseite über das Formular an.

Mit * gekennzeichnete Felder müssen ausgefüllt werden.

api-loader-image

Die Anfrage wird verarbeitet

Misch Dich in die Diskussion ein!

13 KOMMENTARE

  1. Hallo Alexander,

    müsste man bei der Berechnung nicht auch die Anzahl der Seitenaufrufe je User mit einbeziehen. So sieht es für mich so aus als würde jeder User nur ein Jobangebot anschauen. Oder habe ich da einen Gedankenfehler?

    Gruß,
    Michael

    1. Hi Alexander. Das haben sie meines Erachtens schon berücksichtigt. Die Ratio Nutzer/Anzeige sind bei Stepstone beispielsweise 115 – die Reichweite in Seitenaufrufen 588, sodass jeder User im Schnitt 5 Stellen pro Monat aufruft. Habe ich zumindest so verstanden ;-) Gruß Jürgen

      1. Jetzt sehe ich es auch, hatte ich vorhin vielleicht übersehen.

    2. Hallo Michael,

      danke für Deinen Kommentar.

      Du hast nichts übersehen. Leider habe ich mich im Artikel zunächst ungenau ausgedrückt. Wir berechnen Reichweite hier bei uns in Visits, um ein realistisches Bild des Marktes zu erhalten. Habe das jetzt konkretisiert und die CPC-Tabelle um Seitenaufrufe ergänzt, um eine ganzheitliche Betrachtung zu ermöglichen. Nochmal vielen Dank für Deinen Hinweis.

      Gruß Alexander

  2. Hi Alex

    Interessante und aufschlussreiche Zahlen. Ich werfe da gerne ein paar Zusatzinfos und Fragen/Bemerkungen rein.

    – In dieser rein quantitativen Betrachtung spielt es also keine Rolle, wo der View generiert wurde. Würdest du nicht auch von der Annahme ausgehen, dass ein gut positionierter „Vertical“ mehr Qualität generiert („probabilty to apply“ oder so) als bei einer Reichweitenjobbörse, wie die von dir untersuchten?

    – Jobbörsen wenden sich immer nur an aktiv Suchende, was nur einen Teil des Kandidatenpotentials abdeckt. Die Kunst ist es, Reichweite zu generieren, die darüber hinausgeht (Multichannel). Das wiederum bringt die Metrics jedoch wieder durcheinander, da wohl eine Mehrfaches von passiven Kandidaten angesprochen werden müssten, damit einer „hängen bleibt“. Vielleicht ist das aber der beste Kandidat.

    Unternehmen sind auf jeden Fall gut beraten, sich bei der Stellenausschreibung auf Multi-Channel Konzepte einzustellen, um erfolgreich rekrutieren zu können. It’s a long way to go.

    Ein lieber Gruss aus Zürich
    Michel

    1. Hi Michael,

      danke Deinen Kommentar.

      mir ging es bei dieser Analyse tatsächlich in erster Linie um Quantität. Wie ich kürzlich geschrieben habe, muss man meiner Ansicht nach in einem knappen Markt erst das Problem der Quantität in den Griff bekommen. https://wollmilchsau.de/personalmarketing/qualitat-vor-quantitat-im-personalmarketing/

      Qualität ist toll, aber wenn mein „gut positionierter Vertical“ bei 10 Jobs nur einen 1, wenn auch tollen, Kandidaten anlockt, gibt es ein für 9 von 10 Unternehmen ein Problem.

      Ansonsten wäre eine qualitative Untersuchung der Jobbörsen natürlich toll. Wobei die notwendigen Daten leider kaum zu beschaffen wären.

      Ja, auf einen Kanal zu setzen, wird bzw. ist jetzt schon für die Masse nicht sonderlich schlau.

      Viele Grüße
      Alex

  3. Ich bin stark irritiert. Unabhängig davon, dass ich persönlich die 500 Visits für extrem viel halte, habt Ihr im verlinkten Beitrag selbst nur 50 Visits als Basis genannt. Insofern würden die Ergebnisse weniger überraschend sein, weil die Stellenbörsen das auch stemmen.
    Welche Zahl ist denn nun Eure korrekte Basis?

    1. Hi Stefan,

      der Grund für die Irritation liegt darin, dass Du „500 Visits für eine Besetzung“ mit „50 für eine Bewerbung“ vergleichst. Dass eine Bewerbung für eine Besetzung im Durchschnitt nicht ausreicht, sind wir uns vermutlich einig. Ich hab den alten Artikel um die Umrechnung ergänzt um weitere Irritationen auszuschließen. Danke :)

      Dass Du 500 für zu viel für eine Besetzung hältst, muss ich so stehen lassen. Meine Erfahrung ist eine andere. Ich würde sogar sagen, dass 500 eigentlich zu niedrig angesetzt sind. Nun sind die durchschnittlichen 500 aktuell der kleinste gemeinsame Nenner, der sich als Basis-Wert hier und da zu bestätigen scheint. Zuletzt noch von der #SRD16 was dazu gesehen https://twitter.com/OscarMager/status/775974225433812992

      Naja, die Welt ist natürlich mit Durchschnitten nur bedingt realistisch wiederzugeben. Aber in manchen Bereichen kann man damit für den Anfang arbeiten.

      Wie sind denn Eure Werte? Liegt ihr tatsächlich bei weit unter 500 pro Besetzung?

  4. Hallo Alex,
    ich sehe hier ein Problem in der Erhebung der zu besetztenden Positionen. Wieviele Positionen werden denn an Personaldienstleister zur Besetzung vergeben? PDLs schalten selbst Sellenanzeigen auf den gennanten Protalen so dass am ende aus einer zu besetztenden Position womöglich 10 oder mehr Positionen geworden sind die es aber in Wirklichkeit nicht gibt. So gesehen werden die 500 Visits für den Auftraggeber generiert aber eben nicht für jeden einzelnen Personaldienstleister.
    Gruß Ruben

    1. Hi Ruben,

      eine gute Frage. Es gibt mit Sicherheit hier und da Dopplungen der Positionen auf den Portalen. Dass es 10 Versionen der gleichen Anzeige bei demselben Portal gibt, würde ich in der Regel dennoch ausschließen.
      Interessant dabei ist auch, dass in so einem Fall am Ende des Tages mindestens 9/10 der Jobbörsen-Kunden (die jeweils die gleiche Anzeige gepostet und bezahlt haben) leer ausgehen müssen.

      Ich denke nicht, dass das Thema der Dopplungen meine Kernaussage stark beeinflusst.
      Und diese ist: die erzielbare Reichweite auf dem Arbeitsmarkt geht zurück. Die Anzahl der Stellenangebote geht hoch. Für die Jobbörsen wird es zunehmend komplizierter die für ihre Plattform notwendige Reichweite zu erzielen. Das Ergebnis pro Pauschal-Anzeige verschlechtert sich zunehmend.

      Eine rechnerisch bis ins letzte Detail perfekte Analyse werden wir machen können, wenn uns neben korrekten Angaben zu Job-Dopplungen, saubere Besucherzahlen der Jobbörsen und vor allem die korrekte Zahl der Menschen, die auf dem Online-Arbeitsmarkt unterwegs sind, vorliegen.

      Bis dahin können wir nur schätzen und versuchen, die Trends richtig zu erkennen.

      Viele Grüße

  5. Hallo Alexander,

    vielen Dank für den interessanten Beitrag.
    Ich bin jedoch über zwei kleine Punkte „gestolpert“:

    Bei careerbuilder in der Tabelle mit den Cost per Click und Cost per Visit, ist aufgeführt, die Preise seien unbekannt – und laut der Fußzeile sehe ich, dass die Preise manuell recherchiert wurden. Die Preise für Anzeigen auf Careerbuilder finden sich jedoch relativ leicht auf der Homepage des Anbieters (http://arbeitgeber.careerbuilder.de/candidate-marketplace/stellenanzeigen). Oder ging es hier nicht um die Listenpreise?
    Welche Börse genau ist mit JobsDe gemeint? Geht es dabei um Jobs.de? Das wäre dann doch ein Produkt von Careerbuilder – und soweit ich weiß, werden die Jobs von Jobs.de 1:1 zu careerbuilder gespiegelt – daher sollten die Zahlen bei beiden Börsen dann auch gleich sein. Oder geht es bei JobsDe um eine völlig andere Börse?

    Viele Grüße,
    Patrick

    1. Oh, der Link zu Careerbuilder funktioniert offenbar nicht korrekt:

      http://arbeitgeber.careerbuilder.de/candidate-marketplace/Stellenanzeigen

      1. Hi Patrick,

        danke für Deinen Kommentar.

        Ich muss zugeben, dass ich bei der Recherche der Preise auf der Careerbuilder Seite http://arbeitgeber.careerbuilder.de/ einfach nicht bis zu den Preisen durchgekommen bin. Jetzt erst sehe ich, dass man auf dieser Seite über das Top-Navigation Dropdown dahin kommt. Ich werde die Werte gleich anpassen.

        JobsDE ist tatsächlich Jobs.de. Es kann sein, dass die Stellen 1:1 gespiegelt werden. Allerdings waren die Bestände auf den beiden Seiten zum Zeitpunkt der Erhebung unterschiedlich. Heute werden folgende Zahlen jeweils angegeben:

        http://screencast.com/t/86HZWsXuwzeB

        http://screencast.com/t/5Hc4Mmc8

        Viele Grüße

Schreibe einen Kommentar