Die Spekulationen laufen heiß. Quellcodes werden untersucht, URLs getestet und interne Wetten abgeschlossen. Worauf? Darauf, dass ChatGPT an einem eigenen Job-Feature arbeitet.
Wir haben uns zwar nicht direkt durch Quellcodes gewühlt (das haben bereits andere übernommen), aber dafür durch LinkedIn Postings und Blogbeiträge, in denen spekuliert wird, was ChatGPT hinter geschlossenen Türen da so treibt.
Aktuell gibt es zwei parallele Entwicklungen. Zum einen gibt es die Spekulationen über eine eigene Job-Funktion von OpenAI, zum anderen wurden in den USA offiziell Werbeanzeigen in ChatGPT eingeführt. Aber schauen wir uns beides doch mal etwas genauer an.
Eigenes Job Feature von OpenAI
Jobsuche & Karriereberatung
Alexander Chukovski, HR Tech Consultant und wichtige LinkedIn-Stimme im Bereich KI, kurbelte die Diskussionen an, nachdem er im Quellcode von ChatGPT „Feature Flags“ fand, die auf eine eigene Jobsuche-Funktion hindeuten könnten. Auch Entwickler wie Tibor Blaho und einige andere aus der AI Community entdeckten die versteckten Codes und machten sich ihre Gedanken.
Im Frontend-Code von ChatGPT ist ein Onboarding-Prozess mit fünf jobbezogenen Markern versteckt. Schauen wir uns doch mal an, was die einzelnen Marker bedeuten könnten:
- jobs-onboarding-career-advice (Karriereberatung)
Dies wäre vermutlich der Einstiegspunkt und würde auf die Frage abzielen: „Welche Karrierewege passen zu mir?“ ChatGPT analysiert dein Profil und sagt dir, welcher Job für dich passen könnte. Auf diese Weise sammelt ChatGPT natürlich Nutzerdaten und Lebensläufe in großer Menge.
- jobs-onboarding-search-jobs (Jobsuche)
Hier geht es um die eigentliche Suche. OpenAI wird wahrscheinlich keine eigene Suchmaschine für Jobs entwickeln, sondern auf den Index von Bing und die Partnerschaft mit Indeed zurückgreifen und eine direkte Suchmaske innerhalb des Chats bereitstellen.
- jobs-onboarding-resume (Lebenslauf)
Da viele Nutzer:innen bereits sowieso schon ChatGPT nutzen, um ihre Lebensläufe zu erstellen, wäre dies nur eine Erweiterung. Der Schwerpunkt läge hier vermutlich auf dem Optimieren und Anpassen von Vitas an die zuvor gefundenen Stellenangebote.
- jobs-onboarding-outreach-messages (Kontaktaufnahme)
Vermutlich eine Möglichkeit, direkt Nachrichten und Anschreiben an Personalverantwortliche schreiben zu lassen.
- jobs-onboarding-skills-growth (Kompetenzentwicklung)
Hierbei könnte es sich um eine Analyse von Wissenslücken und Empfehlungen handeln. Es werden möglicherweise Vorschläge gemacht, welche Fähigkeiten der Nutzer oder die Nutzerin noch lernen muss, um für einen bestimmten Job qualifiziert zu sein.
(Inwieweit dieses Feature noch mit dem „Study Mode“ verknüpft werden könnte, lest ihr weiter unten)
Das Experiment ist derzeit inaktiv, die Infrastruktur scheint aber zumindest bereits zu bestehen. Das könnte bedeuten, dass OpenAI in Zukunft ein Ort sein möchte, an dem man Jobs findet und Bewerbungen vorbereitet. Bisher weist allerdings nichts darauf hin, dass der gesamte Recruitingprozess innerhalb von ChatGPT ablaufen wird. Vielmehr soll das Tool bei der Suche und der Vorbereitung von Bewerbungen helfen.
Bedeutet auch, dass reguläre Jobbörsen nicht direkt angegriffen werden, da sie weiterhin Zulieferer von Stellenanzeigen bleiben werden.
Andere Blogs sehen allerdings noch mehr potenzielle Anwendungsgebiete.
OpenAI Academy
Die Blogs „Job Board Doctor” und “Digit News“ gehen in ihren Vermutungen noch einen Schritt weiter.
Sie vermuten, dass OpenAI in Zukunft nicht nur Jobs vermitteln möchte, sondern einen geschlossenen Kreislauf aus Lernen, Zertifizierung und Beschäftigung erschaffen möchte. Der bereits vorhandene „Study Mode“ bei ChatGPT könnte mit dem Job-Feature verknüpft werden, damit sich Nutzerinnen und Nutzer innerhalb des KI-Tools weiterbilden und direkt Zertifikate erwerben können. Wer ein OpenAI-Zertifikat besitzt, könnte dies möglicherweise direkt für passende Jobs innerhalb der Maske sichtbar machen.
Diese Vermutungen stützen sich zum einen auf die Hinweise der integrierten Jobsuche sowie dem bereits vorhandenen „Study Mode“ von ChatGPT. Laut eigener Aussage von OpenAI, möchte die Plattform bis 2030 rund 10 Millionen Menschen in USA zertifizieren und diese Talente direkt mit Arbeitgebern vernetzen. Das Zertifizierungssystem wird Teil der „OpenAI Academy“, die Kurse von grundlegenden KI-Arbeitsplatz-Skills bis hin zu fortgeschrittenem Prompt Engineering anbieten soll.
All das bestätigt den Plan, dass sich ChatGPT zu einem Ort des Lernens, Zertifizierens und Vermittelns entwickeln soll. Inwieweit all das in Zukunft mit der Jobsuche noch weiter verschmelzen wird, bleibt abzuwarten.
Die kürzlich eingeführte Integration einer Indeed‑App in ChatGPT unterstreicht diese Entwicklung. Sie zeigt, dass OpenAI zunehmend Schnittstellen zu bestehenden Jobplattformen schafft. Ein weiterer Hinweis darauf, dass die Plattform den Arbeitsmarkt aktiv mitgestalten will.
Wie Alexander Chukovski bereits treffend analysierte, bringt die Integration zwar interessante Ansätze, ist jedoch noch kein echter Game‑Changer für das Recruiting. Spannender wird es, wenn man die in den USA bereits eingeführten Werbefunktionen innerhalb von ChatGPT betrachtet. Hier könnte tatsächlich eine grundlegende Veränderung bevorstehen.

Ads in ChatGPT
Und jetzt kommt noch ein letzter Punkt, der das Recruiting aktuell beschäftigt. Denn was fehlt in diesem gigantischen KI-Ökosystem noch? Na klar, die Monetarisierung.
Die Katze ist endlich aus dem Sack und OpenAI hat in den USA offiziell Werbeanzeigen bei ChatGPT eingeführt. Ganz gleich, was man privat von dieser Entwicklung hält, sind ChatGPT-Ads für das Recruiting und den Jobmarkt erst einmal sowas wie ein strategischer Wendepunkt. Und das ganz wertungsfrei.
Durch „Sponsored Job Listings“ können Unternehmen in Zukunft gezielt dafür bezahlen, in den Stellenanzeigen oder aber auch in den oben genannten Weiterbildungsprogrammen aufzutauchen.
Es sollen weiterhin organische Empfehlungen bei den Suchanfragen in den Antworten genannt werden, die durch bezahlte Anzeigen ergänzt werden. Diese sollen klar von den organischen Empfehlungen getrennt und gekennzeichnet sein. Skeptiker befürchten allerdings, dass sich „hilfreiche Empfehlungen“ und bezahlte Werbung trotzdem zu leicht vermischen könnten. Auch das Problem einer „Black Box“ könnte sich beim Bewerbertracking verschärfen: Wenn eure Employer Brand und euer Bewerber-Tracking in diesem geschlossenen ChatGPT-Kosmos verschwinden, wird die Candidate Journey für euch nicht gerade transparenter.
GEO, SEO und AEO – Durchblick behalten und sichtbar bleiben
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Die Kunst wird in Zukunft darin bestehen, Werbeinhalte so zu gestalten, dass sie sich wie eine hilfreiche Fortsetzung einer Unterhaltung anfühlen. Es müssen nicht nur die Stellenanzeigen selbst gepflegt werden, sondern alles, was im Netz zu eurem Unternehmen zu finden ist: Reviews, Presse, Social Media. ChatGPT durchsucht das gesamte Netz und eine Anzeige wird (zumindest für organische Empfehlungen) in einen bereits bestehenden Ruf eingebettet. Mehr Infos zum Thema GEO im Recruiting, findet ihr übrigens in unserem Artikel.
Wir als Wollmilchsau Team sind sehr gespannt auf die Umsetzung von ChatGPT Ads im Recruiting. Angesichts der veränderten Nutzungsgewohnheiten und des zunehmenden Einflusses von LLMs bei der Informationsbeschaffung, können Ads eine interessante Möglichkeit sein, um Stellenanzeigen und relevante Arbeitgeberinhalte an die eigenen Zielgruppen zu bringen.
Aufgrund der rasanten Entwicklung von Sprachmodellen findet OpenAI mit der Weiterentwicklung existierender Job-Ontologien (O*NET, ESCO…) und Datenstrukturen (Schema.org) hoffentlich eine Möglichkeit, diese Einbindung positiv für Arbeitgeber und Arbeitnehmer auszugestalten. Die Targeting-Möglichkeiten des Kontext-Targetings sind dabei deutlich vielversprechender als im Kontext von Social Media Ads, deren Auswahlkriterien auf Ecommerce-Kategorien beschränkt sind.
Wir halten euch weiterhin auf dem Laufenden!


