Blog-Artikel von in der Rubrik Personalmarketing 5 Kommentare

Das härteste Assessment-Center der Welt? Recruiting in Online-Games

recruiting diablo Das härteste Assessment Center der Welt? Recruiting in Online Games

Als im Zuge der NSA-Affäre auch die Überwachung von Online-Spielen thematisiert wurde, war ich persönlich alles andere als überrascht. Schließlich haben wir es hier mit so komplexen Digitalwelten zu tun, dass ganze Generationen von Spielern darin versinken und ihr “Real Life” völlig vernachlässigen können. (Übertrieben ausgedrückt, natürlich hat ein Großteil der Spieler und Spielerinnen ein geregeltes Leben und ihr Spielverhalten absolut unter Kontrolle.) Dennoch muss jedem klar sein, dass hier eine Menge Kommunikation über Chat, Mail, und Stimme abläuft – und dass hierbei nicht nur über das Spiel gesprochen wird: Familie, Politik und Beruf sind Themen die bei längeren Session allesamt auf den Tisch kommen.

Mehr noch: Man löst gemeinsam vielschichtige Aufgaben. In Teams. Mit Spezialisten und Führungskräften. Heute morgen bin ich auf eine kleine Recruiting-Kampagne gestoßen, die ich mindestens genauso schlüssig finde: Yossi Lubaton, CEO der Agentur BBR Saatchi&Saatchi in Israel suchte 2013 Top-Entwickler mit einer guten Reaktionszeit, kreativem Denken und Teamfähigkeit. Und um diese Softskills zu testen, ließ er die Anwärter eine harte Aufgabe lösen. Mit ihm gemeinsam auf einem der gefährlichsten Schlachtfelder: In Diablo 3.

 

Ich glaube absolut an die Möglichkeit, in dieser Umgebung schon mal etwas die Spreu vom Weizen zu trennen. Ich selbst habe vor ein paar Jahren mal die Semesterferien bei Word of Warcraft verbracht und schon 2011 von der Möglichkeit geschrieben, dort Leute sehr gut kennen zu lernen:

Nächtelang mit einem bayrischen Koch und einem Dortmunder Türsteher durch die Lande zu ziehen und für das Gute zu kämpfen, das schweißt zusammen – über das Spiel hinaus. Ich lernte die Mitspieler in Stresssituationen kennen und weiß, wie sie sich in einer Führungsposition verhalten. Oft dachte ich zum Beispiel: “Den Typen würde ich sofort einstellen”, oft aber auch: “Warum du keinen Job lange behältst, ist mir schon klar”.

Gruppenbildung ist in Online-Spielen meist Voraussetzung für ein erfolgreiches Arbeiten. Spieler spezialisieren sich und bilden so selbstorganisierte Teams von Fachkräften. In den so gemeinsam erlebten Abenteuern gibt es unglaublich viele Möglichkeiten, seine Mitspieler und deren besonderen Eigenschaften aus Recruiter-Sicht kennen zu lernen:

  • Nehmen Spieler Führungspositionen ein, wenn es notwendig ist? Lassen sie sich führen, wenn es notwendig ist?
  • Verhält sich der Spieler seiner Profession entsprechend? Bringt sich die schwach gerüstete Heilerin dauernd selbst in unnötige Gefahr und muss von den Mitspielern gerettet werden? Oder weiß sie, wo ihre Stärke liegt: Etwas abseits vom Kampfgeschehen mit Überblick auf den gesundheitlichen Zustand ihrer Gefährten?
  • Wie verhält sich ein Spieler beim Verteilen der Beute? Behält er alles für sich, um es auf dem Markt zu verkaufen, oder erkennt er, dass Item XY für seinen Mitspieler von Gebrauch ist und gibt es diesem weiter?
  • Ist der Spieler zuverlässig? Bekommt er Beruf, Familie und das Spiel unter einen Hut? Wenn nicht: wer leidet darunter?
  • Und last but not least: Ist der Spieler konfliktfähig und wie löst er Unstimmigkeiten?

recruiting diablo 2 Das härteste Assessment Center der Welt? Recruiting in Online Games

Was meint Ihr: Wer hier den Überblick behält, der kommt auch bei engen Deadlines nicht aus dem Takt? ;)

Pics: Bizzard Entertainment

veröffentlicht am 27. Februar 2014

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Tobias Kärcher

ist Creative Consultant bei der Wollmilchsau GmbH.

Wir sind eine Agentur für digitales Employer Branding und HR-Marketing.
Wir entwickeln Personalmarketing-Software, -Auftritte und -Kampagnen.

 
  • Guest

    Hi Tobi,

    seeehr spannender Bereich. Ich habe kürzlich ein Buch dazu geschrieben… :-) Im Ernst: Der Gedanke, dass man aus Spielverhalten Rückschlüsse auf (auch) berufsbezogene Persönlichkeitsmerkmale ziehen kann, ist auf den ersten Blick naheliegend, aber hier ist das Eis dünn oder anders: Man muss differenzieren. Spiele zur “Aufmerksamkeitserregung? Ja – wie das Saatchi Beispiel mit Diablo III zeigt. Spiele, um etwas valide zu messen? Sehr schwierig.

    Hier muss man auch ganz klar einem sich hartnäckig haltenden Irrtum entgegentreten: Nur weil jemand in einem Spiel von einer Klippe springt, ist er im echten Leben noch lange kein risikofreudiger Mensch… Weil jemand in einem Spiel ein Teamspieler ist, heißt das eben nicht, dass er es im beruflichen Kontext auch ist. Vielleicht ist er es da nämlich GERADE NICHT! Ich hoffe jedenfalls, dass viele Ego-Shooter Spieler ihre diesbzgl. Fähigkeiten NICHT im echten Leben ausleben…

    Mir ist bis dato noch kein Fall bekannt, bei dem wirklich aus einem Spiel (im Sinne von Serious Game) eignungsdiagnostisch valide und damit für eine ethisch-vertretbare, juristisch wasserdichte und vor allem auch akzeptierte (von Unternehmen UND Kandidaten) Recruitingentscheidung verwendbare Erkenntnisse gewonnen werden können. Ansätze wie Regatoo (vor mehr als 10 Jahren verliefen an der HU Berlin) im Sande, andere wie Knack.it (http://blog.recrutainment.de/2013/08/29/play-to-discover-your-knacks-koennen-recruiting-games-wirklich-valide-berufsbezogene-persoenlichkeitsmerkmale-messen/) behaupten das zwar, aber müssen eben diesen Beweis auch erst noch antreten.

    Wer das en detail nachlesen möchte, der kann ja hier mal zuschlagen…: http://www.springer.com/springer+gabler/management/personal/book/978-3-658-01569-5

    Viele liebe Grüße!
    Jo

  • Jo Diercks

    Hi Tobi,

    seeehr spannender Bereich. Ich habe kürzlich ein Buch dazu geschrieben… :-) Im Ernst: Der Gedanke, dass man aus Spielverhalten Rückschlüsse auf (auch) berufsbezogene Persönlichkeitsmerkmale ziehen kann, ist auf den ersten Blick naheliegend, aber hier ist das Eis dünn oder anders: Man muss differenzieren. Spiele zur “Aufmerksamkeitserregung? Ja – wie das Saatchi Beispiel mit Diablo III zeigt. Spiele, um etwas valide zu messen? Sehr schwierig.

    Hier muss man auch ganz klar einem sich hartnäckig haltenden Irrtum entgegentreten: Nur weil jemand in einem Spiel von einer Klippe springt, ist er im echten Leben noch lange kein risikofreudiger Mensch… Weil jemand in einem Spiel ein Teamspieler ist, heißt das eben nicht, dass er es im beruflichen Kontext auch ist. Vielleicht ist er es da nämlich GERADE NICHT! Ich hoffe jedenfalls, dass viele Ego-Shooter Spieler ihre diesbzgl. Fähigkeiten NICHT im echten Leben ausleben…

    Mir ist bis dato noch kein Fall bekannt, bei dem wirklich aus einem Spiel (im Sinne von Serious Game) eignungsdiagnostisch valide und damit für eine ethisch-vertretbare, juristisch wasserdichte und vor allem auch akzeptierte (von Unternehmen UND Kandidaten) Recruitingentscheidung verwendbare Erkenntnisse gewonnen werden können. Ansätze wie Regatoo (vor mehr als 10 Jahren verliefen an der HU Berlin) im Sande, andere wie Knack.it(http://blog.recrutainment.de/2… behaupten das zwar, aber müssen eben diesen Beweis auch erst noch antreten.

    Wer das en detail nachlesen möchte, der kann ja hier mal zuschlagen…: http://www.springer.com/spring

    Viele liebe Grüße!
    Jo

    • Hi Jo,

      das ging aber schnell! ;)

      Natürlich ist dies kein “100% sicherer” Test. (Wie die wenigsten Test auf der Welt) Für mich ist das ganze eher der Versuch, bei Spielen hinderliche Eigenschaften früh zu identifizieren. Ich bin z.B. fest davon überzeugt, dass ein Großteil derer, die das Konzept “Ich teile was ich habe, um damit meine Gruppe und dadurch auch mich zu stärken” im Spiel nicht verstehen, diese Einsicht auch im Berufsleben nicht haben. Oder dass ein Großteil derer, die auf konstruktive Kritik nicht eingehen können, dies auch im Gespräch mit den Kollegen nicht oder sehr viel schlechter hinbekommen, als die die im Spiel Tipps und Hinweise als solche erkennen und nutzen. Die schnell Beleidigten, die Jammerer, die Unüberlegten, die “macht ihr mal, ich komm nach”-Typen etc. – die erkennt man nach ein paar Tagen recht gut. Zumindest in einer Tendenz, die man nicht vernachlässigen sollte.

      Man kann mit etwas Menschenkenntnis schon recht gut ausloten, was für ein Stress-, Kreativ- oder Konflikt-Typ jemand ist, gerade wenn man mit ihm längere Zeit zusammen an Projekten oder Spielaufgaben arbeitet. “Valide” ist das natürlich nicht, einen entsprechendes Prüfmodell will ich mir gar nicht erst vorstellen.

      Und den freundlichen, fachlich kompetenten Ego-Shooter-Spieler hätte ich mit den Extra-Fähigkeiten: Überblick, Stressresistenz und Reaktionsgeschwindigkeit gerne in meinem Team.

      Zum Thema Serious Games: Die halte ich DAFÜR(!) eh für ungeeignet. 1. Sind die meisten (korrigiere mich ggf.) Single-Player-Spiele, also ohne die echten Mit- und Gegenspieler die ein soziales Gefüge/System bilden und 2. sollte es schon ein Spiel sein, auf das die Leute wirklich Lust haben, dass sie fesselt und bei dem sie mit Leidenschaft und Herz dabei sind – ohne dass sie dahinter einen Job winken sehen.

      Grüße zurück!

      • Melanie Schuler

        Beim Spielen lernt man einen anderen Charakter schon sehr explizit und intensiv kennen. Wie loyal, teamfähig, sozial, egozentrisch, exzessiv, strategisch, lernfähig, kommunikativ, intrigant, idealistisch, …. vor allem wenn es Spiele sind, die in Metas gespielt werden kann man extrem viel über Strukturen/Politik/Massenherdentrieb/Umstürze lernen. Könnte vermutlich Teile eines Soziologiestudium ersetzen.
        Vor allem in hotspot Situationen. In denen es kurz knackig impulsiv und grenzwertig werden kann. Wer dabei die Nerven behält oder wer unter Umständen das ganze Team opfert nur weil er den Endsieg nicht erringen kann. Man kann da auch die Frage der Führungsqualität oft mal sehen finde ich. Gerade wenn viele aufeinanderprallen. Wer frisst wen. Wer sind die Leute, die intern Informationen herausgeben, wer sind potentielle Überläufer. So völlig fern der Realität ist es meines Erachtens nicht. Parallelwelten.
        Mich würde dabei interessieren das Verhältnis von Realität zu Verdrängung. Eine sinnvolle Studie, die das in einen Kontext zueinander setzt.

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