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Wollmilchsau vs. HRinside – Bewerber googeln: Warum nicht?

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HRinside vs. Wollmilchsau – ein Thema, zwei Meinungen. In dieser Kolumne liefern wir uns einen Schlagabtausch zu wechselnden Themen. Zum Zankapfel wird heute das Thema “Bewerber googeln”. “Warum nicht?” fragt die Wollmilchsau – das sieht bei HRinside ganz anders aus…

Zugegeben, das Gefühl vom Personalchef, unter die Lupe genommen zu werden, ist nicht gerade angenehm. Das sind Prüfungssituationen selten. Früher hatte man noch die volle Kontrolle über den Bewerbungsvorgang. Passende Qualifikationen, saubere Bewerbungsunterlagen, beim Vorstellungsgespräch die richtigen Antworten geben und schon war man in der engeren Auswahl. Und heute? Da macht sich der Wunscharbeitgeber (falls das Know-How und die Zeit überhaupt vorhanden ist) zusätzlich ein eigenes Bild der Bewerber durch eine Online-Recherche. Das sehen manche als Problem, ja sogar als Verletzung der Privatsphäre an an.

Die Privat- und Intimsphäre ist zweifelsfrei zu schützen. Dass sich Personaler nicht fremde Konten einhacken, oder sich unter der Vorgabe falscher Identitäten einen Blick in nicht öffentliche Profile erschleichen sollen, ist selbstverständlich. Dass bei einer regulären Google-Recherche auch bestehende Verletzungen dieser Persönlichkeitsrechte zu Tage gebracht werden könnten, liegt in der Natur der Sache. Sie werden in diesem Fall aber nicht aktiv begangen, und dass der Personaler diese dann zu Lasten des Bewerbers auslegt, wäre unklug und nicht im Interesse des Arbeitgebers. Was sich dieser durch eine eigene Online-Recherche erhofft, ist ein Eindruck der Öffentlichkeits- allenfalls noch der Sozialsphäre eines Bewerbers. Und diese Informationen werden in den seltensten Fällen gegen ihn verwendet, sie können mindestens genauso gut Argumente für eine Zusammenarbeit liefern. Meistens dürften sie irrelevant sein.

Soll Online-Screening gesetzlich schärfer geregelt sein? Nein. Die Idee, alles gesellschaftliche Zusammenleben bis zum letzten Mausklick mit Gesetzen regeln zu können, wird spätestens dann hinfällig, wenn die Einhaltung dieser Regeln alleine auf den persönlichen Moralvorstellungen gründet und darüber hinaus nicht kontrollierbar ist. Der vorliegende Gesetzesentwurf ist ein wunderbares Beispiel für diesen Eiertanz.

Sollen Arbeitgeber freiwillig auf eine Online-Recherche verzichten? Wenn die vorliegenden vorgelegten Auskünfte ausreichen und der Bewerber bereits volles Vertrauen genießt, spricht nichts dagegen. Wenn sich der Personaler aber ein eigenes Bild von einem Kandidaten machen möchte, dann sollte er dies unbedingt tun. Es zu verbieten wäre absurd. Grundsätzlich gilt: Entscheidungen werden aufgrund vorliegender Informationen gefällt. Je mehr Informationen zu Rate gezogen werden, umso abgewogener die Schlüsse die daraus gezogen werden. Sich in diesem Fall selbst den Zugang zu frei zugänglichen Informationen abzuschneiden würde bedeuten, vorsätzlich eine fahrlässige Entscheidung zu treffen.

Der Arbeitgeber der Zukunft wird lernen, dass seine Angestellten ein Privatleben haben, und dass dieses auch online stattfindet. Viele Unternehmen haben das bereits verstanden und sie sind es, die denen, die bei jedem Partyfoto verschreckt “HUCH!” oder “AHA!” rufen, die Fachkräfte wegschnappen. Diesen Prozess unterbinden zu wollen, ist meiner Meinung nach 1. unsinnig und 2. utopisch.

veröffentlicht am 18. März 2011

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Tobias Kärcher

ist Creative Consultant bei der Wollmilchsau GmbH.

Wir sind eine Agentur für digitales Employer Branding und HR-Marketing.
Wir entwickeln Personalmarketing-Software, -Auftritte und -Kampagnen.

 
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  • Hallo Tobias,

    eine Google-Recherche geht meines Erachtens dann in Ordnung, wenn die zukuenftige Taetigkeit auch einen starken oeffentlichen bzw. Online-Aspekt beinhaltet. Recruiter werden beispielsweise auf LinkedIn, Xing, vereinzelt auch auf Facebook von Bewerbern unter die Lupe genommen. Da sollte sich dann nichts finden lassen, was auch indirekt dem Arbeitgeber schaden koennte. Auch ist es sicherlich sinnvoll, zu pruefen, ob der moegliche Social Media-Experte im Web aktiv in Erscheinung tritt.

    Ansonsten kann ich fuer mich bisher keinen Mehrwert durch die Online-Recherche wahrnehmen, wahrscheinlich weil immer wieder auch die Zeit dafuer gefehlt hat. Es geht erst einmal um den Lebenslauf, dann um die Motivation, Persoenlichkeit, aber auch den persoenlichen Eindruck im Gespraech. Wozu brauch ich da Google?

    Ich kann mir aber gut vorstellen, dass viele Personaler aktiv suchen. In Deutschland spielt die (unklare) Gesetzeslage hinein. Viele werden angeben, nicht online zu recherchieren, auch wenn sie es tun. Allein schon um sich und den Arbeitgeber zu schuetzen. In anderen Laendern ist das entspannter.

    Ich stimme dir auch dahingehend zu, dass mit der zunehmenden Nutzung von Social Media und weiteren Online-Medien eine Entwicklung in Gang kommen wird, die Recherchen zulaesst, aber ebenfalls eine Sensibilitaet fuer die Privatsphaere der Kandidaten mit sich bringt.

    Und bis dahin hat jeder die Moeglichkeit, sein Profil mit etwas gesundem Menschenverstand “unproblematisch” erscheinen zu lassen.

  • Jo Diercks

    Ja, immer wieder spannende Frage. Ich glaube aber in der Tat ein insg. überdramatisiertes Thema. Mein Eindruck: In der Regel (Ausnahme inklusive) fehlt Personalern dafür schlicht die Zeit und die Lust. Wenn man sieht, wie wenig Personaler schon motiviert sind aktiv in Bewerberdatenbanken zu suchen (Golddigging), dann kann man ungefähr ermessen, wie stark sie zu detektivischer arbeit neigen… Siehe hierzu auch: http://blog.recrutainment.de/2011/01/28/der-googelnde-personaler-ein-mythos/

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  • @Gunnar, @Jo: Ich denake auch, dass das Thema etwas zu sehr dramatisiert wird. Die Online-Recherche ist keine Notwendigkeit, in weiten teilen auch ein Mythos – siehe Jos Link. Aber wenn sie sinnvoll erscheint, sollte sich nicht unnötig zurückhalten. Robin hat auch noch eine gute Ergänzung: “(…)aus meiner persönlichen Sicht als potentieller Bewerber muss ich sagen: ich google doch auch die Personaler, mit denen ich sprechen werde.” (http://bit.ly/gn4jm1)

  • Danke für diese wunderbare, zitatenreiche Diskussion! Nur weil ich da gerade was bei Robin von Nacktschwimmszenen lese: Falls Ihr das nächste mal an einer Buchhandlung vorbeikommt, in dem “wunderbaren” Buch “Die Facebook-Falle” einen Blick auf Seite 45 werfen. Da wird ein IT-Experte wegen Mitgliedschaft in einer esoterisch-nudistisch-angehauchten Meditationsgruppe entlassen – und zwar weil sein Foto mitsamt Namen im Netz steht…Das sind dann genau die Fälle, aus denen die Dramatisierung des Themas resultiert.

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