Einfluss messen mit Klout: Sinn und Unsinn

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Am Ende des Jahres 2011 dürfte fast jeder unserer Leser einmal von Klout gehört haben. Spätestens in den letzten Tagen, in denen der Dienst zunehmend in die Kritik geraten ist. Doch der Reihe nach…

Was macht Klout?

Klout ist ein Online-Dienst, der anhand unterschiedlicher Formen der sozialen Interaktion den Einfluss eines Nutzers errechnet. Dieser Einfluss wird in einer Zahl zwischen 1 und 100 ausgedrückt – wobei 100 das zu erreichende Maximum darstellt. So bekommt Person X, mit vielen Followern, Retweets, Facebookfreunden, Likes etc. einen dementsprechend höheres Gewicht zugeordnet.

Zudem errechnet Klout ein Typen- und Themenprofil und kennzeichnet, wer wen beeinflusst. Klout bezeichnet sich selbst als den Standard in der Influence-Messung. Zugegeben: Immer mehr Dienste bieten den Klout-Score als Zusatzinformation an. Hier z.B. der Multi-Account Manager Seesmic:

Wo liegt das Problem?

Wie so oft in der Datenerhebung und dem Umgang mit selbigen: Klout analysiert nicht nur die eigenen Daten, wozu es ja von jedem Nutzer explizit aufgefordert wurde, sondern gräbt sich auch noch durch dessen Kontakte. Auch diese Kontakte und deren Verbindungen werden analysiert und bekommen einen Klout-Score verpasst. So bekomme ich hier einen meiner Kontakte als „von mir beeinflusst“ angezeigt:

Ich bräuchte diesen nur noch zu Klout einzuladen, schon bekäme ich zusätzliche Benefits. Das Profilbild dieser Person hat sich Klout über meinen Zugriff auf die Facebook-API geholt und auch gleich einen ersten Score errechnet.

Zum Einen scheint diese Praxis in der EU nicht rechtens zu sein, aber (selbst) ich finde, dass Klout damit einen Schritt zu weit geht. Beliebige Personen in das eigene System zu integrieren und als „Influencer von“ bzw. als „beeinflusst von“ darzustellen geht so nicht in Ordnung. Auch wenn Klout so argumentieren könnte, dass eine größere Datenmenge letztendlich der Genauigkeit des Scores zu Gute käme – diese Art der Nutzerwerbung hat schon anderen Diensten massive Kritik eingebracht.

Wer braucht Klout?

Zum einen ist es natürlich eine nette Spielerei, zu schauen, wie weit die Online-Reichweite im Vergleich zu frei gewählten Benchmarks liegt („Oh, nur noch 10 Punkte bis Sascha Lobo“). Dort hört der persönliche Nutzen aber schon fast wieder auf. Etwas derart individuelles und dabei hochkomplexes wie „Einfluss“ von einem Algorithmus errechnen zu lassen ist Blödsinn. Zumindest könnte es keine Maschine besser, als der Mensch mit ein paar Klicks in 10 Minuten.

Doch da sind wir beim zweiten Feld, wo Klout so etwas wie Mehrwert bietet: Wer eine große Zahl an absolut oberflächlichen Betrachtungen von Web 2.0-Profilen braucht, dem ist mit Klout sicherlich geholfen. Chevrolet hat beispielsweise gerade für seinen Kleinwagen Sonic eine Marketingkampagne angefahren, für die das Unternehmen Influencer mit Klout identifiziert und diesen dann einen der Wagen für drei Tage zur Verfügung stellt.

Ich für meinen Teil, habe meinen Klout-Account gestern fürs Erste geschlossen. Weniger wegen der Datenschutz-Problematik als vielmehr, wegen der Unsinnigkeit, mein Online-Gewicht über all meine Plattformen tracken zu lassen. Und wenn ich bei oberflächlichen Betrachtungen dann durchs Raster falle, ist mir das gerade Recht.

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